Sozialdemokratischer Informationsbrief Kiel, 29.09.00, Nr.: 184/2000 Bernd Schröder und Gerhard Poppendiecker: Statt Streichkonzert mehr Wettbewerb Die Pläne der Deutschen Bahn AG, Fernzüge auf den schleswig-holsteinischen Stre- cken wegfallen zu lassen, stoßen bei der SPD-Landtagsfraktion auf heftige Kritik. Und: ,,Wir sind empört über die Art und Weise, wie die DB diese Pläne veröffentlicht hat!" so Bernd Schröder, Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft, Technologie und Verkehr der SPD-Landtagsfraktion. ,,Da verhandelt der Wirtschaftsminister unseres Landes, Dr. Bernd Rohwer, mit Vertretern der DB, um zu vernünftigen, für beide Seiten tragbaren Lösungen zu kommen, und plötzlich legt Herr Mehdorn Pläne auf den Tisch, die offen- bar längst fertig waren." Jahrelang sei Schleswig-Holstein das Stiefkind der Bundesbahn gewesen, erläutert der bahnpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Gerhard Poppendiecker. Doch die Landesregierung habe es mit viel Engagement und in Zusammenarbeit mit der Bahn geschafft, aus Schleswig-Holstein ein Bahnland zu machen. ,,Wir hatten große Erfolge mit der Neueröffnung von Strecken, wir waren das erste Bundesland mit Takt- verkehr, wir haben Zuwächse bei den Fahrgastzahlen. Und nun setzt man uns den Koffer vor die Tür ­ so geht es nicht!" Schröder und Poppendiecker: ,,Die jetzt angekündigten Verschlechterungen auf den Strecken Hamburg-Westerland, Hamburg-Lübeck und Hamburg-Kiel werden wir nicht hinnehmen." In einem gemeinsamen Antrag haben die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen deshalb die Landesregierung aufgefordert, bei der Bundesregierung für die Herausnahme des Schienennetzes aus der DB AG vorstellig zu werden. Wie Schleswig- bei den Holstein Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion und SPD-Landesvorstand Verantwortlich: Manfred Schröder Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2- Straßen könnten die Hauptstrecken vom Bund, die Regionalstrecken von den Ländern übernommen werden, wobei die Länder natürlich entsprechend finanziell ausgestattet werden müssten. ,,Schleswig-Holstein hat an einer Trassenverwaltung, die freien Wettbewerb möglich macht, ein besonderes Interesse, damit die Benachteiligung bei den Investitionen sei- tens der DB endlich aufhört", sagt Bernd Schröder. Gerhard Poppendiecker: ,,Wenn die Bahn uns den Fehdehandschuh hinwirft, nehmen wir ihn auf! Wir sind davon über- zeugt, dass es viele Bewerber für den Bahnbetrieb geben wird, insbesondere für die lukrativen Strecken wie Hamburg-Lübeck-Travemünde. Dann werden wir ein optimales Angebot erhalten." Es sei schon erstaunlich, so die beiden Landtagsabgeordneten, dass die Verantwortli- chen der DB nicht auf die Idee kommen, den Fernverkehr in allen Bereichen attraktiver zu machen, um neue Kunden zu gewinnen. ,,Obwohl jeder weiß, dass die Zukunft des Verkehrs auf der Schiene und nicht auf der Straße liegt, streicht die Bahn Verbindun- gen und Strecken ­ ist das modernes Management?" fragt Poppendiecker. Jetzt sei Flexibilität gefragt, doch die sei bei der DB nicht zu erkennen. ,,Deshalb", so die beiden Politiker, ,,werden wir neue Wege suchen, um auch unabhängig von der Deutschen Bahn den Menschen ein attraktives Schienenverkehrsangebot zu machen." (SIB)