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Presseticker > alle > 2001 > Mai > 09 > 10:24

Ekkehard Klug: "Breite Zustimmung zur Schaffung von Ganztagsschul en ist ein Meilenstein der Bildungspolitik"

Portable Document Format ist das Original der Pressemitteilung Weitere Formate: formatierter Text, Fliesstext und Layout

F.D.P. L a n d t a g s f r a k t i o n Schleswig-Holstein                                                   1
                                                                                Christian Albrecht
                                                                                               Pressesprecher

                                                                                        V.i.S.d.P.



                                                                                       F.D.P. Fraktion im
Nr. 138/2001                                                                    Schleswig-Holsteinischen Landtag
                                                                                      Landeshaus, 24171 Kiel
Kiel, Mittwoch, 9. Mai 2001                                                                Postfach 7121
                                                                                      Telefon: 0431/9881488
Sperrfrist: Redebeginn                                                                       Telefax: 0431/9881497
                                                                                     E-Mail: fraktion@fdp-sh.de
                                                                                    Internet: http://www.fdp-sh.de
Es gilt das gesprochene Wort!

Ekkehard Klug: ,,Breite Zustimmung zur Schaffung von
Ganztagsschulen ist ein Meilenstein der Bildungspolitik"

Zur Einbringung des F.D.P.-Antrages ,,Einrichtung von Ganztagsschulen
in Schleswig-Holstein" (TOP 9) erklärte der bildungspolitische Sprecher
der F.D.P.-Landtagsfraktion, Dr. Ekkehard Klug:




                                                                                        Presseinformation
,,Die breite Zustimmung zur Schaffung von Ganztagsschulen ist ein
Meilenstein in der schleswig-holsteinischen Bildungspolitik.

Vor allem aber ist es wichtig, dass wir in dieser Frage jetzt eine politische
Schallmauer durchbrechen: die Schallmauer, die zwischen wohl-
klingenden Grundsatzbeschlüssen auf Parteitagen und konkretem
Handeln liegt.

Der frühere amerikanische Außenminister und Friedensnobelpreisträger
George C. Marshall hat einmal gesagt: ,Kleine Taten, die man ausführt,
sind besser als große, die man plant'.

Das ist richtig. Über die Notwendigkeit von mehr Ganztagsschulen ist all
zu lange nur geredet worden. Die gesellschaftliche Wirklichkeit und die
Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen fordern, dass nun endlich
Taten folgen.

Sicher sind wir uns einig darüber, dass Ganztagsschulen in allen
Bereichen des Schulwesens benötigt werden. Auf dem Weg zu diesem
Ziel werden wir jedoch, wenn man realistisch an die Sache herangeht,
nur schrittweise vorankommen.

Die F.D.P. schlägt vor, dass wir dort beginnen, wo Ganztagsunterricht
aus pädagogischen, aus bildungs- und gesellschaftspolitischen Gründen
besonders wirkungsvoll und hilfreich ist: bei den Hauptschulen und den
Sonderschulen.

Wir schlagen deshalb vor, in jedem Kreis, in jeder kreisfreien Stadt
zunächst drei Hauptschulen zu Ganztagsschulen zu machen.

                                                                                              2
Darüber hinaus soll die Vorgabe des Schulgesetzes, dass an Schulen für Geistig- und
Körperbehinderte in der Regel Ganztagsunterricht erteilt wird, endlich der schulischen
Wirklichkeit entsprechen.

Dieser Einstieg in die Errichtung von Ganztagsschulen bedeutet vor allem eines: Wir
werden in Schleswig-Holstein für Kinder und Jugendliche, die besondere Förderung
benötigen, bessere Bildungs- und Lebenschancen schaffen.

Dass die SPD-Fraktion für unseren Vorschlag Zustimmung signalisiert hat, zeigt soziale
Verantwortung und bildungspolitische Konsequenz.

Wenn hingegen die CDU-Fraktion sich dem nicht anschließen mag, so widerspricht dies
einerseits dem von ihr verschiedentlich vorgetragenen Bekenntnis zur Stärkung der
Hauptschulen, und andererseits widerspricht es auch dem Wortlaut eines CDU-
Landesparteitagsbeschlusses von Mitte März. Aber diese Widersprüche möge die
Unionsfraktion selber erklären.

Das Ganze erinnert uns ein wenig an eine der Fabeln von Aesop: Ein in seiner
Heimatstadt wenig angesehener Fünfkämpfer prahlt nach seiner Heimkehr von einer
Tournee, er sei auf der Insel Rhodos sogar einmal weiter gesprungen als die
Olympiasieger. Darauf ruft ihm einer aus der Menge zu: "Hic Rhodus, hic salta ! - Hier ist
Rhodos, hier spring !".

Das gilt auch für die CDU: nicht nur zu wissen, wo man landen will, sondern gelegentlich
auch einmal in die angekündigte Richtung zu springen !

Das ist jedenfalls vernünftiger, als beleidigt vor dem Sprungbalken zu verharren - nur weil
man meint, man habe das Thema gepachtet und darauf einen Alleinvertretungsanspruch.
Da die CDU ja nachweislich die mit Abstand letzte Partei ist, die eine positive Haltung zu
Ganztagsschulen eingenommen hat, wäre das im übrigen auch wenig glaubwürdig.

Im Detail wird die Organisation der Ganztagsschulen von Schulart zu Schulart
unterschiedlich zu regeln sein - ausgerichtet auf die sehr unterschiedlichen Bedingungen
in den einzelnen Schularten.

Wir Liberale teilen die Auffassung, dass mit dem Konzept der Ganztagsschule prinzipiell
ein Mix unterschiedlicher Elemente verbunden sein sollte - so, wie dies übrigens an den in
Schleswig-Holstein bereits bestehenden Ganztagsschulen bereits der Fall ist.

Zu diesen Elementen zählen bestimmte, auch am Nachmittag mögliche Unterrichtsteile
ebenso wie auch Formen der Betreuung - z.B. in Form von Hilfen bei der
Hausaufgabenerfüllung - ; und drittens zählen dazu pädagogisch und erzieherisch
sinnvolle Formen ,betreuter Freizeitgestaltung'. Wo immer möglich, könnten in diesen
dritten Sektor auch Angebote der vor Ort aktiven Vereine, Verbände und Initiativen
einbezogen werden. Es wäre unsinnig und sicher auch nicht finanzierbar, wenn man
Ganztagsschulen ausschließlich mit Lehrkräften unterhalten wollte.

Ein gelungenes Beispiel für ein gutes Ganztagsschulkonzept ist die Kooperative
Gesamtschule Elmshorn.

Sie erhält, wie alle Ganztagsschulen im Bereich der Gesamtschulen, zwar vom Land eine
zusätzliche Personalausstattung, aber viele Nachmittagsangebote im Bereich der sog.
,,Gebundenen Freizeit" - aus dem die Schüler bestimmte Zahl von Angeboten auswählen
müssen - werden nicht von Lehrern organisiert und geleitet. Die Palette reicht von

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zahlreichen Aktivitäten im musisch-kulturellen und sportlichen Bereich bis hin zu Themen
wie Tierpflege, Möbelbau, Holzarbeiten oder - aus dem sozialen Bereich - der Patenschaft
mit einem Altenheim.

In solche Nachmittagsangebote lassen sich im übrigen in idealer Weise auch
berufsorientierende bzw. berufsvorbereitende Inhalte einbeziehen. Dies bietet die Chance,
solche Inhalte, wie sie etwa im Hauptschulbereich von nahezu allen Seiten, auch von der
Wirtschaft und von den Gewerkschaften, als dringend notwendig angemahnt werden, dort
endlich besser als bisher zu verankern, ohne dass dies auf Kosten des Unterrichts erfolgt.

Bei den Sonderschulen für Geistig- und Körperbehinderte, die ja laut Schulgesetz in der
Regel Ganztagsunterricht erteilen sollen, bestehen wiederum andere Voraussetzungen,
die nach hierfür geeigneten Lösungsansätzen verlangen.

Selbst der Bereich der reinen Betreuungsmaßnahmen erfordert hier - um ein Beispiel zu
nennen - in höherem Maße spezielle sonderpädagogische Aus- und Fortbildung - was
natürlich aber nicht heißt, dass man auf Mitwirkung der vielfältigen Elterninitiativen an
diesen Schulen verzichten könnte oder sollte.

Ein ,,Einheitsmodell Ganztagsschule" kann es eben in einer sehr differenzierten
Schullandschaft nicht geben - und deshalb finde ich es schlicht unsinnig, wenn man dies
von einem Entschließungsantrag im Landtag verlangen wollte.

An den Schulen für Geistig- und Körperbehinderte ist die Situation hierzulande deshalb so
miserabel, weil sich Land und kommunale Schulträger gegenseitig die Verantwortung
zuschieben und am Ende nichts passiert.

Beispiel 1: Das Kultusministerium teilt mir am 3. April in der Antwort auf eine Kleine
Anfrage mit, die Schulträger müssten für diese Sonderschulen Anträge auf Erteilung von
Ganztagsunterricht stellen. Solche Anträge lägen aber nicht vor. Würden sie unterbreitet,
sei man willens, ggf. entsprechende Mittel bereitzustellen.

Beispiel 2: Der Verein ,,Tollhaus Flensburg e.V." schreibt mir am 10. April nach der
Lektüre dieser Kleinen Anfrage bzw. der Antwort der Regierung: Im vergangenen Jahre
habe das Kultusministerium einen Förderantrag des Vereins für Betreuungsangebote an
der Flensburger Friholtschule unter Berufung auf den Status der G-Schulen als
Ganztagsschulen abgelehnt - Betreuungsangebote seien deshalb ja dort nicht mehr nötig.

Fazit: Das Kultusministerium weiß genau, dass diese Sonderschulen nirgendwo im Lande
Ganztagsschulen sind und wartet, ob Schulträger vielleicht irgendwann Anträge auf deren
Einrichtung stellen; gleichzeitig aber weist das Ministerium Förderanträge von
Elterninitiativen mit der Begründung zurück, diese Sonderschulen seien doch laut
Schulgesetz Ganztagsschulen.

So dreht sich das Rad im Kreis - und für die behinderten Kinder gibt es nicht genügend
Förderung und Hilfe. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollte uns allen am Herzen
liegen !"
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