ist das Original der Pressemitteilung
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LANDTAGSFRAKTION
S C H L ES WI G - H O LS T EI N
Pressesprecher
Bernd Sanders
Landeshaus
24100 Kiel
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PRESSEMITTEILUNG
Nr. 233/01 vom 30. Mai 2001
TOP 29
Jost de Jager: Falsche Voraussetzungen im Bericht
Lassen Sie mich, bevor ich zu dem inhaltlichen Teil komme, zunächst einige formale Aspekte
an dem Bericht bemängeln. Zum einen ist es ein absolutes Novum, dass in den Berichten
nicht mehr zwischen Anlage und Fließtext getrennt wird, sondern die Anlagen in diesem Fall
Verträge, Beschlüsse des Deutschen Städtetages und sogar Firmenkonzepte gleichwertige
Bestandteile des Berichtes sind mit der Folge, dass zum einen der eigentliche Berichtsumfang
aufgebläht wird und zum anderen nicht mehr sehr klar zu unterscheiden ist, was wirklich der
Beitrag des Ministeriums und was der anderer Quellen ist.
Die Folge dieser Patchwork-Methode ist, dass sich in diesem Bericht informationstechnische
Satzungetüme wiederfinden, die eigentlich nicht vorlagereif sind. Sätze wie der folgende sind
nicht dazu angetan, das allgemeine Verständnis von Netzwerkadministration zu erhöhen. Ich
zitiere: ,,Ausstattung der Schule mit je einem kombinierten File- und Printserver, mehreren
Client Desktop-PCs sowie einer Reihe tragbarer Thinclients. Die Desktop-PCs konfigurieren
sich vom Netz beim Booten über die Fileserver, wohingegen die Thinclients sich ihre
Erstinformationen vom zentralen Webserver im Service-Center, bei welchem die Lehrinhalte
und das Portal der Schule hinterlegt ist, über das Netz holen" (Bericht Seite 20).
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Formulierungen wie diese darüber
hinwegtäuschen sollen, dass im Ergebnis die Landesregierung mit diesem Bericht nicht sehr
viel zu sagen hat. Er ist, kurz gefasst, ein Schlag ins Kontor der jetzigen
Netzwerkadministratoren, die mit viel Einsatz und Mühe die Netze und Systeme an den
Schulen betreuen und die die berechtigte Forderung erheben, dass sie für ihre Tätigkeit einen
Ausgleich bekommen. Zentrale Botschaft des Berichtes ist hingegen, dass es weitere
Ausgleichsstunden zur Vergütung dieser Arbeit nicht geben wird. Statt dessen wird eine
Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, wie etwa die Netzwerkbetreuung über einen Vertrag
mit der Datenzentrale, die diese Mehrarbeit durch die Netzwerkadministratoren auffangen
sollen. Diese Vorgehensweise, spricht die Administration durch externe Server, hat allerdings
zwei Nachteile:
1. Sie setzt eine Einheitlichkeit in der Multi-Media-Ausstattung von Schulen voraus, die wir
nicht haben und
2. sie geht deshalb an der Wirklichkeit vorbei, weil sie die Mehrarbeit der Lehrerinnen und
Lehrer nicht aufheben würde.
Zu 1.:
Der Bericht verweist zu Recht darauf, dass ein hoher Anteil der Computer-Anlagen, die wir in
den Schulen vorfinden, durch Sponsoren und Spenden ermöglicht worden sind. Das ist richtig
und an dieser Stelle sollte man denjenigen, die Computer für die Schulen gespendet haben,
auch noch einmal sehr herzlich danken. Das Ergebnis ist aber, dass wir eine ganz
unterschiedliche Ausstattung mit Computern, was die Netzwerkkapazitäten und den
technischen Stand der Computer anbelangt, vorfindet. Wollte man etwa über die
Datenzentrale eine Netzwerkbetreuung von außen, am besten noch online, vornehmen,
bräuchte man aber einheitlichere Systeme als wir sie haben. Die Folge wäre, dass vor allem
die Schulträger, also die Kommunen, als Voraussetzung für eine solche externe Wartung und
Betreuung der Systeme zunächst einmal in eine sehr kostenträchtige Vorleistung treten
müssten. Das steht finanzpolitisch nicht zu erwarten und würde, wenn überhaupt, bestenfalls
mittel- bis langfristig, umzusetzen sein.
Zu 2.:
Wichtig ist festzuhalten, dass selbst bei allen noch so phantasievollen Lösungen der
Netzwerkbetreuung am Ende einer nicht ersetzt werden kann, nämlich der Lehrer als
Schnittstelle zwischen Technik und Pädagogik. Diese Schnittstellenfunktion wird immer
Arbeit machen. Sie wird immer damit verbunden sein, dass die Technik den inhaltlichen
Zielen eines Unterrichts angepasst werden muss, dass mit Lernsoftware gearbeitet werden
muss, dass kleinere Anpassungen und Konfigurationen, wie es denn heißt, vor Ort
vorgenommen werden. Dies ist ein Aufwand, der unter keinen Bedingungen einfach nebenbei
zu leisten sein wird, zumal es sich um zunehmend anspruchsvolle Systeme handelt. Aus dem
Grund muss es zu einer Vergütung bzw. zu einem Ausgleich dieser Mehrarbeit kommen,
wenn man künftig noch Kollegen in den ,Schulen finden will, die diese Arbeit machen. Das
Admin-Forum hat ja erst jüngst darauf hingewiesen, dass diese Bereitschaft im Begriff ist,
auszulaufen, und sie haben damit auf ein Problem hingewiesen, das flächendeckend
vorhanden ist.
Wir haben seinerzeit darauf hingewiesen, dass wir uns zwei Möglichkeiten vorstellen.
Entweder eine Regelung über die Neubestimmung und die Neuregelung der Lehrerarbeitszeit
insgesamt oder eine über Ausgleichsstunden. Ich finde es bedauerlich, dass der Bericht den
Prüfauftrag einer Regelung im Zuge der Neubestimmung der Lehrerarbeitzeit nicht
aufgenommen hat. Damit verbleibt eigentlich nur die Lösung von Ausgleichsstunden, die
indes dann auch umgesetzt werden muss. Dabei steht zu befürchten, dass die Ansprüche etwa
von Systemadministratoren jetzt ausgespielt werden gegen die Ansprüche von Schulleitern,
die ja einen stärkeren Ausgleich für ihre Tätigkeit in der Schulleitung bekommen sollen. Dies
würde eine Art von Verteilungswettkampf in den Lehrerzimmern auslösen, die wir nicht
wollen.
Um auf die kaiserliche Werft zurückzukommen: Es wäre schon interessant gewesen, heute
Nachmittag zunächst etwas über die Auswirkungen des 35 Mio. DM-Loches im Einzelplan 07
des Bildungsministeriums zu erfahren und diese Debatte über Ausgleichsstunden für
Netzwerkadministratoren auf einer vernünftigen Grundlage führen zu können. Es ist doch
klar, dass es einen bildungspolitischen Zusammenhang gibt zwischen urplötzlich
aufgetretenen Einsparvolumina in zweistelliger Millionenhöhe und berechtigen Forderungen
etwa der Systemadministratoren gibt. Sich hierzu konkret zu äußern, das wäre heute Ihre
Aufgabe gewesen Frau Erdsiek-Rave.