Sozialdemokratischer Informationsbrief Landtag aktuell Kiel, 31.05.2001 Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn Birgit Herdejürgen zu TOP34: Bericht über das Kinder- und Jugendtelefon Ich denke, alle Fraktionen sind sich einig, dass der Kinderschutzbund mit den Kinderund Jugendtelefonen in Schleswig-Holstein eine wichtige Einrichtung der Jugendhilfe vorhält. Der Bericht der Landesregierung macht deutlich, in welchem Umfang diese niedrigschwelligen Angebote in Anspruch genommen werden. Die Zahlen sprechen für sich und machen deutlich, wie groß das Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen ist, sich bei Problemen leicht erreichbare, anonyme Hilfe einholen zu können. Ergänzend möchte ich noch anmerken, dass die Erfahrungen der Beraterinnen und Berater auch für uns einen direkten Nutzen haben. Der unmittelbare Kontakt zu Kindern und Jugendlichen erlaubt die ungefilterte Sicht auf die Meinungen und Probleme der Ratsuchenden. Die AG der Kinder- und Jugendtelefone sieht es ausdrücklich als Aufgabe an, diese Ansichten in die öffentliche Diskussion einzubringen und konkrete Veränderungen zu bewirken. Damit sind die Beteiligten auch für uns ein verlässlicher und für unsere Arbeit notwendiger Gesprächspartner. Eine besondere Bedeutung erhalten die Gesprächsangebote der Kinder- und Jugendtelefone auch im Zusammenhang mit der ins BGB aufgenommenen Neufassung des § 1631, der das Recht auf gewaltfreie Erziehung formuliert. Dazu gehört auch, dass Kinder die Möglichkeit haben, sich über eigene Rechte zu informieren, und zumindest ideelle Unterstützung erhalten, eigene Rechte einzufordern. Die Verbindung zum schon genannten Elterntelefon ist noch offensichtlicher. SchleswigHolstein Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2- Die Besonderheit des Kinder- und Jugendtelefons ist das hohe ehrenamtliche Engagement, ohne das eine Einrichtung wie diese nicht existieren könnte. Dieses Engagement ist deshalb gar nicht hoch genug zu bewerten, da die Erfordernisse des Telefons nicht den sporadischen Einsatz, sondern die dauerhafte und verlässliche Arbeit der Freiwilligen nötig machen. Ein Dank somit an alle, die sich ­ wohlgemerkt freiwillig ­ auf eine derartige Verpflichtung einlassen. Die professionelle Qualität der sogenannten ,,Nummer gegen Kummer" ist bemerkenswert. Der Kinderschutzbund zeigt hier beispielhaft auf, wie ehrenamtlicher Einsatz gefördert und dauerhaft gesichert werden kann. Das Kinder- und Jugendtelefon macht sich eine ganz besonders qualifizierte Gruppe von Menschen zunutze ­ und diese ist es wert, hervorgehoben zu werden: Das sind jugendliche Freiwillige, die ihren Altersgenossen Hilfestellung geben und sicherlich einen ganz anderen Zugang zu den aktuellen Problemen der ratsuchenden Kinder und Jugendlichen haben. Ich denke, wir alle sind gefordert, derartige Beispiele jugendlichen Einsatzes weiterzutragen, wenn wieder einmal leichfertig von der desinteressierten, konsumorientierten Jugend die Rede ist. Der Berichtsantrag wurde vor dem Hintergrund des finanziellen Drucks, unter dem ganz akut das Kieler Telefon steht, gestellt. Die Ministerin hat dargestellt, dass wir für dieses Jahr zu einer Lösung gekommen sind. Nichtsdestotrotz müssen wir uns für die Folgejahre die Frage nach der gesetzlichen Zuständigkeit und damit natürlich auch nach der Kostenträgerschaft stellen. Die bundesweite Übersicht zu Finanzierungsanteilen anderer Länder ist in diesem Zusammenhang allerdings wenig hilfreich, solange sie nicht auch verbunden wird mit Aussagen zur generellen Struktur der Jugendhilfekosten und der jeweiligen Kostenträger. Wir können dem Bericht entnehmen, dass in Gesprächen mit den Kreisen und kreisfreien Städten ein dauerhaftes Finanzierungskonzept entwickelt werden soll. Wir sollten aber auch offen sein zur Finanzierung freiwilliger Angebote, wir sollten offen sein, auch andere Finanzierungsquellen in Erwägung zu ziehen. Das Kinder- und Jugendtelefon setzt schon lange auf die Einwerbung -3- von Spenden und die Unterstützung verschiedenster Unternehmen. Die SPD-Fraktion hat gemeinsam mit dem Kinderschutzbund bereits Gespräche geführt, um weitere Unterstützer ins Boot zu holen. Der Kinderschutzbund war in der Vergangenheit bereits sehr erfolgreich dabei, Spenden einzuwerben ­ allerdings ist dies ein sehr zeitaufwendiges Geschäft. Hier wird Zeit gebunden, die für meinen Geschmack an anderer Stelle sinnvoller einzusetzen wäre. Das Fazit also: Die langfristige Absicherung des Kinder- und Jugendtelefons muss unser Ziel sein, um den Ratsuchenden ein verlässliches Angebot zu gewährleisten, um den freiwillig Tätigen und den Angestellten einen dauerhaften Rahmen zu bieten und um diejenigen zu entlasten, die bisher Jahr für Jahr für die Finanzierung kämpfen. Ich bin zuversichtlich, dass wir im Laufe des kommenden Jahres eine Lösung finden. Wir werden uns aktiv dafür einsetzen. Den Kindern und Jugendlichen ist der Erfolg zu wünschen.