D E R 116/2002 L A N D T A G A Kiel, 11.09.2002 SCHLESWIG - HOLSTEIN a Rede von Landtagspräsident Heinz-Werner Arens zum Gedenken an den 11. September 2001 KIEL (SHL) ­ Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung erklärte Landtagspräsident Heinz-Werner Arens: Vor einem Jahr wurden wir mit den Attentaten am 11. September in den USA Zeugen der bis heute unfassbaren Terroranschläge. Die Verbrechen haben die Welt erschüttert. Die Anschläge zerstörten die Türme des World Trade Center - herausragende Symbole der freien Welt -. Tausende von Menschen kamen zu Tode. Wir gedenken heute in ungebrochener Trauer dieser unschuldigen Opfer und ebenso derjenigen, die bei dem Anschlag auf das Pentagon und bei dem Absturz des vierten gekaperten Flugzeugs, welches über Pennsylvania abgestürzt ist, gestorben sind. Die Welt hat sich nicht erst seit den Anschlägen geändert. Aber die Attentate haben diesen Wandel auf eine drastische Art und Weise deutlich gemacht. Wesentliches Merkmal des Wandels ist die Erkenntnis, dass es in dieser Welt keine ausschließlich lokale Dimension mehr gibt. Auch regionales oder lokales Handeln ist nur noch unter Berücksichtigung von globalen Auswirkungen zu betrachten. Dies betrifft Wirtschaft, Kultur, Recht und nicht zuletzt die Politik gleichermaßen, es betrifft alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens. 2 Die Globalisierung hinterlässt keine Nische, in die man sich zurückziehen kann. Jede Erwartung, man könne sich der globalen Dimension von Betroffensein und Verantwortung entziehen, wäre trügerisch. Wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligen; die uneinholbare Globalisierung lässt dies nicht zu. Die unmittelbaren Folgen können jede und jeden und überall vor der Haustür treffen. Die Anschläge haben es auf brutale Art gezeigt: Was am 11. September vor einem Jahr geschehen ist, geht alle an. Das Verbrechen hat zu einer bisher nicht gekannten Form der Unsicherheit bei den Bürgerinnen und Bürgern geführt. Attentate und alle Formen terroristischer Gewalt unterliegen eben nicht den Regeln des Krieges und schon gar nicht des Völkerrechts. Sie sind gerade das Gegenteil davon. Sie sind beherrscht durch Gesetzlosigkeit. Gerade die Maßlosigkeit des Verbrechens vom 11. September hat uns vor Augen geführt, wie verletzbar unsere moderne und technisierte Welt ist. Jeder kann davon in aller Grausamkeit betroffen sein, so wie es Tausende von Menschen in New York und ihre Angehörigen in den USA und auch hier in Deutschland erfahren mussten. Der 11. September ist aber nicht nur ein Symbol für Terror und Entsetzen. Er ist auch Symbol für Solidarität. Auch diese war nicht lokal begrenzt, auch sie war grenzenlos. Die Folgen der Anschläge werden uns auch in Zukunft begleiten: Es geht um die wirksame Bekämpfung des internationalen Terrorismus mit aller Konsequenz und aller gebotener Kompromisslosigkeit. Die politische Diskussionen um die Grenzen möglicher Einsätze auf diesem Gebiet werden ja aktuell geführt. Sich hieran zu beteiligen, wäre in dieser Stunde des Gedenkens nicht angemessen. Aber auch hier muss zuallererst eine politische Antwort gegeben werden. Diese Antwort bedingt eine stärkere Auseinandersetzung mit den Ursachen der terroristischen Gewalt. Gerade das stellt uns alle vor große Herausforderungen und nimmt alle - auch uns hier in Schleswig-Holstein - in eine engere Verantwortung für diese Welt, als wir dies vor dem 11. September 2001 wahrgenommen haben. Herausgeber: Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel, Postf. 7121, 24171 Kiel, Tel.: (0431) 988- Durchwahl -1163, -1121, -1120, -1117, -1116, Fax: (0431) 988-1119 V.i.S.d.P.: Dr. Joachim Köhler, Annette Wiese-Krukowska, E-Mail: Joachim.Koehler@landtag.ltsh.de Internet: www.sh-landtag.de ­ Presseinformationen per E-Mail abonnieren unter www.parlanet.de/presseticker