45/2005 Kiel, 29. April 2005 S p e r r f r i s t : 30. April Redebeginn 10:30 Uhr Es gilt das gesprochene Wort! Spurensuche im deutsch-dänischen Grenzland fördern Kiel (SHL) ­ In seiner Rede anlässlich der Jahresmitgliederversammlung des Grenzfriedensbundes am 30. April in Husum sagte Landtagspräsi- dent Martin Kayenburg unter anderem: ,,Im vergangenen Herbst traf sich in Louisenlund das unter der Leitung des je- weiligen Landtagspräsidenten arbeitende Gremium für Fragen der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Die Ausgangsüberlegung meines Amtsvorgän- gers und Kollegen Heinz-Werner Arens war es, im Zusammenhang mit der Gremiumssitzung auch das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern des Internats Louisenlund zu suchen. Wenn ich die Erkenntnis aus diesem Gespräch zwischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten sowie den Vertretern der deutschen Minderheit mit den Jugendlichen auf eine kurze Formel bringen soll, so ist es diese: Das Engagement und das Interesse waren groß, die Kenntnisse der Fakten eher bescheiden. Das betrifft sowohl die deutsch-dänische Geschichte der letzten fünfhundert Jahre als auch die Rolle der jeweiligen Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze. Wir haben die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gezogen und ein Projekt vorgeschlagen mit dem Namen ,Spurensuche ­ Zeugnisse der deutsch- dänischen Geschichte im alten Herzogtum Schleswig'. An dem Projekt beteiligen sich Schülerinnen und Schüler von drei Schulen der Minderheiten- und der Mehrheitsbevölkerung, nämlich der Duborg-Schule in Flensburg, des Deutschen Gymnasiums in Nordschleswig und des Internats- gymnasiums Louisenlund. Die Schülerinnen und Schüler haben sich das Ziel gesetzt, ,ihre' deutsch-dänische Geschichte selbstständig aufzuarbeiten und sie anhand von historischen Rundgängen für sich selbst und für Dritte an- schaulich und einprägsam zu gestalten. 2 Für einen breiten Adressatenkreis aus der einheimischen Bevölkerung und für auswärtige Gäste kann auf diese Weise anhand von Architektur, Denkmälern, Friedhöfen, Schlachtfeldern und Einzelpersönlichkeiten Geschichte lokalisiert, personifiziert, nachvollziehbar und erlebbar gemacht werden. Bei Gelegenheit von historischen Rundgängen in den Städten Sonderburg, Flensburg, Eckern- förde und Umgebung soll auf historische Stätten und Personen aufmerksam gemacht werden. Dabei sind solche Orte und Personen ausgewählt worden, die schlaglichtartig ein Stück deutsch-dänische Geschichte widerspiegeln und geeignet sind, die Zweiströmigkeit im deutsch-dänischen Grenzland ein Stück weiter in das Be- wusstsein zu rücken. Die Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze sind in- tensiv in den Arbeitsprozess eingebunden. Erfreulicherweise hat der Schles- wig-Holsteinische Zeitungsverlag die publizistische Begleitung dieses interes- santen Experiments zugesagt. Das Ergebnis ­ es wird eine umfangreiche Pub- likation herauskommen ­ wollen wir im Dezember im Kieler Landeshaus mit allen Beteiligten der Öffentlichkeit vorstellen. Aus meiner Sicht ist dies ein guter und vor allem nachhaltiger Beitrag, um im Jubiläumsjahr der Bonn-Kopenhagener Erklärungen mit einem so interessan- ten Projekt breitere Bevölkerungskreise, vor allem aber junge Menschen zu erreichen. Wie notwendig die Vermittlung von mehr Wissen ist, haben wir in den letzten Wochen gesehen. Die jüngste Entwicklung nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein hat altes Konfliktpotential wieder heraufbeschworen. Mit der hitzigen Diskussion über die politische Rolle des SSW hat sich gezeigt, dass Minderheitenfragen nach wie vor Zündstoff bieten. Der Stoff, mit dem ge- zündelt werden kann, ist leicht zu beschreiben: Es ist ein Mangel an Grund- kenntnissen und auch an aktueller Information über das deutsch-dänische Grenzland und seine Menschen. Es ist unser aller Aufgabe, diesen Mangel zu beheben. Auch deswegen ist die Arbeit des Grenzfriedensbundes ein unverzichtbarer Bestandteil des friedlichen Zusammenlebens im Grenzland."