FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1 Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Nr. 286/2005 Dr. Heiner Garg, MdL Stellvertretender Vorsitzender Kiel, Freitag, 11. November 2005 Dr. Ekkehard Klug, MdL Parlamentarischer Geschäftsführer Sperrfrist: Redebeginn Günther Hildebrand, MdL Es gilt das gesprochene Wort! Hochschulpolitik/Universitäten www.fdp-sh.de Ekkehard Klug: ,,Fusionsplan ist weltfremd" In der Landtagsdebatte zu TOP 35 (Erhalt der eigenständigen Universitäten in Schleswig-Holstein) erklärte der hochschulpolitische Sprecher der FDP- Landtagsfraktion, Dr. Ekkehard Klug: ,,Die Vorstellung, mit einer fusionierten Landesuniversität könne man in die universitäre Oberliga aufrücken, ist schlicht weltfremd. Tatsächlich wäre eine auf drei Standorte verteilte ,,Schleswig-Holstein- Universität" unbeweglicher und schwerfälliger. Allein der interne Koordinations- und Abstimmungsbedarf in den Gremien und Kommissionen würde zwischen Kiel, Lübeck und Flensburg enorm viel Zeit und Kraft absorbieren. Es hatte schon gute Gründe, dass der Mainzer Landtag vor neun Jahren beschlossen hat, die bis dahin in der Fachhochschule Rheinland-Pfalz zusammengefassten FH-Standorte in sieben eigenständige regionale Fachhochschulen aufzuteilen. Die Argumente, die dafür im September 1995 in der 1. Lesung zur Änderung des Fachhochschulgesetzes angeführt worden sind, sprechen Bände: Kürzere Entscheidungswege, Optimierung von Entscheidungsprozessen, höheres Maß an Entscheidungs- und Handlungsfreiheit, stärkere Identifikation in der Region. Bemerkenswert ist vielleicht auch, dass nicht nur die Regierungsfraktionen SPD und FDP dies so gesehen hat, sondern auch die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktion: Sie hat der Dezentralisierung ebenfalls zugestimmt. Die Erfahrung im Hochschulbereich lautet nun einmal: Bei gleichzeitiger Verteilung auf mehrere über das ganze Land verstreute Standorte führt Größe nicht zu Stärke, sondern eher zu Schwäche. Der Wissenschaftsminister hat für seine Idee diverse Argumente ins Feld geführt, aber keines dieser Argumente ist bei näherer Betrachtung stichhaltig. Im Gegenteil. Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 1 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 2 Synergieeffekte im IT-Bereich? Nach der Bildung des fusionierten Universitätsklinikums hat der Aufbau einer gemeinsamen, kompatiblen IT- Ausstattung für den Campus Lübeck und den Campus Kiel erst einmal drei Millionen Euro zusätzlich gekostet. Bei den Universitäten würde der Fusionsprozess ausgerechnet in einer Zeit, da wachsende Anforderungen in Forschung und Lehre bestehen, knappe Ressourcen für die Durchführung und Bewältigung der Fusion in Anspruch nehmen. Minister Austermann nennt explizit den Wettbewerb um Mittel für medizinische Sonderforschungsbereiche als Argument für eine Zusammenlegung der Medizinischen Fakultäten in Kiel und Lübeck. Tatsächlich war die Hochschulmedizin beider Standorte aber doch gerade in jüngster Zeit beim Aufbau von SFBs und der Einwerbung anderer Forschungsmittel, zum Beispiel in der Genomforschung, sehr erfolgreich. Solche Erfolge sind offenkundig auch in der heutigen Struktur, also im Rahmen relativ kleiner Fakultäten, möglich. Ich schlage deshalb vor, dass wir die Sprecher der medizinischen SFBs aus Lübeck und Kiel zu einer Anhörung in den Bildungsausschuss einladen. Es wäre doch interessant zu erfahren, was jene zu dem Thema zu sagen haben, die nachweislich zusammen mit ihren Wissenschaftlerkollegen und ­ kolleginnen sehr beachtliche Forschungsgelder als Drittmittel eingeworben haben - und ob sie der Austermann-These zustimmen, eine Fusion würde für solche Leistungen hilfreich sein. Schließlich sollte Minister Austermann uns auch die Frage beantworten, ob er mit dem Fusionsplan - neben den angeblichen Synergieeffekten in Hochschulverwaltung und Forschung, die aber meines Erachtens nicht realisierbar wären, eventuell auch eine Verringerung von Studienkapazitäten bezweckt. In einer Zeit, in der die Hochschulen vor einem erheblichen Anstieg der Studienplatznachfrage in den kommenden 15 Jahren stehen, ist das eine sehr wichtige Frage. Bei den Studienplätzen an Universitäten hat Schleswig- Holstein schon bislang ein Defizit. Der Studentenexport aus Schleswig- Holstein ist mit einem Minus-Saldo von rund 12.000 schon heute auf Rekordniveau. Gemessen an der Studienplatznachfrage schleswig- holsteinischer Abiturienten hat dieses Land eigentlich eine Universität von der Hälfte der Größe der Kieler Uni zu wenig. Die Erichsen-Kommission hat darauf verwiesen, dass Schleswig-Holstein -gemessen am Durchschnitt der westdeutschen Flächenländer ­ eigentlich pro Jahr rund 100 Mio. Euro zu wenig für den Hochschulsektor ausgibt. Die anstehende Föderalismusreform wird die ,,Studentenimportländer" künftig noch stärker motivieren, dieses Ungleichgewicht bei der Neuregelung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen zu berücksichtigen." Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 2 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/