PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 15 ­ Klimaschutz in der Landwirtschaft Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt der umwelt- und agrarpolitische Sprecher Telefax: 0431/988-1501 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Detlef Matthiessen: Internet: www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 247.07 / 06.06.2007 Klimaschutz bietet Chancen für die Landwirtschaft Klimaschutz ist kein Thema mehr für Ökospezialisten. Alle Zeitungen - sogar die ,,Bild" bunt und über die ganze erste Seite - haben über die Erkenntnisse der UN und des Weltklimarates berichtet. Das ist mitten in der Gesellschaft angekommen und die Menschen erwarten zu Recht von uns, die mit Ge- setzen und Regierungsarbeit für die wirtschaftliche Rahmensetzung die Verantwortung tragen, dass wir so handeln wie es das Problem erfordert. Die verbleibende Zeit ist begrenzt. Wir müssen nach Erkenntnis und Reden zum Handeln kommen, wie Herr Minister von Bötticher in seiner Rede vorgestern auf der Fachtagung ,,Sieh zu, dass sich was dreht" zu Klimaschutz und Klimawandel gefordert hat. Dies war eine sehr gelungene Veranstaltung mit sehr interessanten Beiträgen, unter Anderem von Dr. Klaus Butterbach-Bahl, der es gewagt hat, auch komplizierte Zusammenhänge vor dem großen Audi- torium zu erläutern. Dabei ging es um die Anteile auch der Landwirtschaft. Klimaschutz hat eben nicht nur mit Heizen, Energieerzeugung, Mobilität und Transport zu tun. Auch die Landwirtschaft trägt ihren Teil bei und ist gleichzeitig vom Klimawandel Hauptbetroffene. Darum fordern wir die Landesregierung mit unserem Antrag auf, einen Maßnahmenkatalog für die Verbesse- rung der Klimaschutzbilanz in der Landwirtschaft zu entwickeln. Die Landwirtschaft ist in mehrfacher Sicht vom Klimawandel betroffen: So hat sie mit mehr oder weni- ger großräumigen Verschiebungen der Vegetationszonen und damit auch mit Auswirkungen auf die Kulturpflanzen zu rechnen. Schadorganismen und deren Populationsdynamik verändern sich. Das Ziel der EU, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, dient somit auch der Vermeidung nicht akzeptabler negativer Auswirkungen des Klimawandels auf Land- und Forstwirt- schaft. Land- und Forstwirtschaft beeinflussen aber selbst auch das Klimageschehen. So kommen 15 Pro- zent der Treibhausgase in Deutschland aus der Landwirtschaft, insbesondere Methan aus der Vieh- haltung und Lachgas aus den Düngemitteln. Damit verantwortet die Landwirtschaft ähnlich hohe Kli- ma-Emissionen wie Industrie und Verkehr. 1/2 Mit einer intelligenten und klimafreundlichen Steuerung haben Sie, Herr von Boetticher, die Möglich- keit, einen ganz entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der CO2-Bilanz unseres Landes zu leis- ten. Gestalten Sie die Förderpolitik der Landwirtschaft um, nutzen Sie die Spielräume, die die EU ih- nen lässt, unterstützen Sie klimafreundliches und energiesparendes Wirtschaften! Verbinden Sie die Fördergelder an die Landwirte mit Auflagen für eine umwelt- und klimaschonende Bewirtschaftung. Dr. Butterbach-Bahl hat auch ohne wenn und aber auf die Bedeutung von Grünland und dessen Er- halt hingewiesen. Zur Zeit beobachten wir einen Nettoverlust des Anteils in Schleswig-Holstein. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen setzt der Ökolandbau deutlich weniger C02 frei. Auf die Flä- che bezogen zwischen 40 und 60 Prozent und auf den Ertrag bezogen zwischen 20 und 50 Prozent weniger. Das kommt unter anderem daher, dass die bodenschonende Bewirtschaftungsweise des Ökolandbaus den Humus schützt. Dadurch wird nicht nur die Freisetzung von zusätzlichem Kohlendi- oxid verhindert, sondern auch die aktive Bindung von Kohlendioxid forciert. Bei den Lachgasemissionen spart der Ökolandbau rund ein Drittel ein. Auch bei Methan deutet alles darauf hin, dass durch Umstellung auf weniger intensive Landnutzungsformen, also keine Hochleis- tungskühe, weniger Gülle, mehr Festmist, die Emissionen verringert werden können. Die Biolandwirt- schaft ist daher eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz, den es weiter zu entwickeln und bes- ser zu fördern gilt. Dabei kommt es entscheidend an, diese schonende Art der Landbewirtschaftung dort zu konzentrieren, wo die Bodenvoraussetzungen die größten ökologischen Gewinne verspre- chen. Der Geestrücken ist dabei anders zu beurteilen als bindige Böden der Marsch. Die Landwirtschaft der Zukunft kann durch Umstellung auf eine ökologisch orientierte Wirtschaftswei- se, durch regionale Verarbeitung und Vermarktung und durch die Bereitstellung von Biomasse zur Energiegewinnung als Ersatz fossiler Brennstoffe einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion klima- schädlicher Gase leisten. Die Landwirte sollen in Zukunft zu Energiewirten und Rohstofflieferanten für die gesamte Gesellschaft werden. Sie werden verschiedene Sorten von Schilfgras, Leinöl, Hanf, Sonnenblumen, Raps, Flachs, schnellwachsenden Bäumen und Hölzern zur Energie- und Rohstoffgewinnung anbauen. Alles, was das Erdöl kann, können Hölzer und Pflanzenöle auch. Nachwachsende Rohstoffe werden künftig nicht nur zur umweltfreundlichen Energiegewinnung, son- dern auch als Rohstoffquelle verwendet werden ­ zum Beispiel in der chemischen Industrie, in der Bauindustrie und sogar in der Autoindustrie. Wir haben dabei gelernt, dass es auch Zielkonflikte gibt zwischen ökologischen Zielen, aber auch zwischen Nahrungsmitteln und der Erzeugung nachwachsender Rohstoffe. Die Landwirtschaft hat die Chance, von einer ambitionierten Klimapolitik zu profitieren, sie tut es be- reits heute. Sie ist aber auch in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, auch aus Eigeninteresse und als Hauptbetroffene des Klimawandels. ***