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Bildungspolitik
Nr. 213/07 vom 06. Juni 2007
Susanne Herold zu TOP 18:
Die Sprachenvielfalt erhalten!
Es gilt das gesprochene Wort
Ich freue mich, dass heute Vertreterinnen und Vertreter der Sprachgruppen
der Minderheiten und Volksgruppen nach Kiel gereist sind, um unsere
Debatte zu verfolgen. Mit Ihnen begrüße ich auch unsere
Minderheitenbeauftragte Caroline Schwarz sehr herzlich.
Sprache ist nicht nur der Schlüssel zum Verstehen sondern trägt auch zum
Verständnis des anderen bei. Sie ist zugleich ein Schlüssel, um den kulturellen
und geschichtlichen Hintergrund anderer Völker zu verstehen. Das erlebe ich
als Flensburgerin, die nahe der dänischen Staatsgrenze lebt und nunmehr zwei
mehr oder weniger erfolgreich absolvierte Sprachkurse hinter sich gebracht
hat, jeden Tag hautnah.
in Schleswig-Holstein haben wir mit der dänischen Minderheit, der friesischen
Volksgruppe, der Minderheit der Sinti und Roma als auch dem
Niederdeutschen Minderheiten- und Sprachgruppen für die die mit der
Sprache verbundene kulturelle Identität besonders wertvoll ist. Allein deshalb
kommt dem vorliegenden Bericht zur Umsetzung der Europäischen
Sprachencharta, der heute unser Thema ist, eine ganz zentrale Bedeutung zu.
Nach fast einem Jahrzehnt intensiver Auseinandersetzung mit der
Pressesprecher Dirk Hundertmark Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon 0431-988-1440 Telefax 0431-988-1444 E-mail: info@cdu.ltsh.de Internet: http://www.cdu.ltsh.de
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Sprachencharta, die am 1. Januar 1999 in Kraft trat, hat der Europa-Rat ein
,,Schutzinstrument" zur Bewahrung der Regional und Minderheitensprachen
geschaffen. Nach Überzeugung der CDU ist es daher eine sehr wichtige
Aufgabe der Landespolitik, die Minderheiten- und Regionalsprachen weiter zu
fördern und zu verbreiten.
Und ich denke, das muss das Ziel aller Fraktionen im Schleswig-Holsteinischen
Landtag sein:
Wir wollen diese Sprachenvielfalt in unserem Land erhalten, weiterentwickeln
und in unseren Alltag integrieren, denn die Sprache des Nachbarn zu lernen
trägt entscheidend zum gemeinsamen Verständnis bei."
Und das, meine Damen und Herren, ist, in einem ,,Europa der 27" - in einem
Europa der Vielsprachigkeit - lebend, umso wichtiger!
im Schwerpunkt des Berichts wird dargestellt, wie übernommene
Einzelverpflichtungen in Schleswig-Holstein umgesetzt werden. Und hier wird
deutlich, dass in unserem Land in den einzelnen Bereichen der Charta, wie
frühkindliche Erziehung, Schule, Hochschule, Kultur, aber auch im
Verwaltungs- und Medienbereich verantwortungsvoll und umfassend
gearbeitet wird. Lassen Sie mich im Folgenden einige Punkte der
Sprachencharta herausgreifen.
1. Zu den ,,weichen Hemmnissen" auf dem Weg zu einem
grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt werden immer wieder mangelnde
Sprachkenntnisse angeführt. Hier weist der Bericht aus, dass gerade im
Rahmen der Erwachsenenbildung, dänische Sprachkurse aus
arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten heute eine verstärkte Nachfrage
erfahren. An den Volkhochschulen ist Dänisch eine der meistbelegten
Fremdsprachen.
Das macht deutlich, dass die Chancen der in der Region lebenden Menschen
erkannt und umgesetzt werden, wenn es darum geht, in einer von
Beschäftigungsproblemen gebeutelten Region, Arbeitsmärkte auch jenseits
der Grenzen zu öffnen und zu nutzen. So hat das Regionskontor in Padborg
beispielsweise im letzten Jahr mehr als 7.000 Beratungen durchgeführt.
2. Der vorliegende 2. Bericht zur Sprachencharta belegt auch die zunehmend
positive Entwicklungen des niederdeutschen und des friesischen
Sprachgebrauches in unserem Lande. So ist die Zahl der in den KiTas
vorgehaltenen Angebote gestiegen. In den Lehrplänen der Grundschulen ist
die Einbeziehung der Niederdeutschen Sprache in diversen
Unterrichtsfächern ausdrücklich vorgesehen.
Dennoch sind wir dazu angehalten vor allem im Bereich der Schulen und
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Hochschulen auf eine bessere Verankerung hinzuwirken. Deshalb unterstützt
die CDU die Initiative des Kollegen Lars Harms und des Vorsitzenden des
Friesenrates Ingwer Nommensen, das Angebot des Friesischunterrichts an
unseren Schulen auf dem Erlasswege in Form von Projektkursen bzw. als
Wahlfach, dort wo Bedarf besteht, anzubieten.
3. Minderheiten und Regionalsprachen sollen zunehmend Einzug in unsere
Amtsstuben halten. Hier beschreibt der Weg bisher lediglich das Ziel.
Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die Sprachenkampagne,
die von der Region Sonderjylland/Schleswig mit Schulen, Unternehmen und
Verwaltungen veranstaltet wurde und für die unser Landtagspräsident, Martin
Kayenburg, die Schirmherrschaft übernommen hat.
Diesseits und jenseits der Grenze wurde hier erfolgreich für den Spracherhalt
und Spracherwerb geworben.
Diesen Weg müssen wir weitergehen, meine Damen und Herren! Derartige
Kampagnen müssen, von allen Akteuren der Region getragen, auch in Zukunft
Bestand haben.
lassen Sie mich abschießend kurz auf die vom Landtagspräsidenten in Auftrag
gegebene Kompetenzanalyse zum Thema ,,Minderheiten als Standortfaktor im
deutsch-dänischen Grenzland" eingehen. Gab es bisher vorwiegend Analysen,
die sich auf die wirtschaftliche Entwicklung beiderseits der deutsch-dänischen
Grenze konzentrierten, so stehen mit dieser Studie erstmals die historischen
und kulturellen Wurzeln im Grenzland im Mittelpunkt der Betrachtung.
Ziel ist es, ein gesellschaftspolitisches Leitbild für die deutsch-dänische
Grenzregion zu entwickeln und das Regionsprofil zu stärken. Mit der Studie
soll insbesondere geprüft werden, ob Minderheiten ein Standortfaktor im
deutsch-dänischen Grenzland sind, der für die grenzüberschreitenden
gesellschafts-, wirtschafts- und sozialpolitischen Entwicklungsstrategien
nutzbar gemacht werden kann. Dabei spielen die Regional- und
Minderheitensprachen eine wichtige Rolle, die den kulturellen Reichtum des
deutsch-dänischen Grenzlandes ausmachen. letztendlich auch eine Form der
Kultur darstellt. Wir müssen den Menschen in der Region
Sonderjylland/Schleswig den Weg zu einem ,,breiten Erleben ihrer Kultur"
öffnen. Dadurch besteht auch die Chance, mehr Menschen als bisher für die
Minderheiten und ihr Sprachen zu gewinnen.
ich bedanke mich auch im Namen meiner Fraktion bei den Mitarbeitern der
Staatskanzlei für die Erstellung dieses gut strukturierten und informativen
Berichts. Ein weiter Dank gebührt unserer engagierten
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Minderheitenbeauftragten, Caroline Schwarz. Und ich möchte es auch nicht
versäumen, mich an dieser Stelle bei unserem Ministerpräsidenten Peter
Harry Carstensen zu bedanken, der in seiner 2-jährigen Amtszeit der
entscheidende Motor für eine zukunftweisende Minderheitenpolitik bei uns
im Norden geworden ist.
der Europäischen Sprachencharta liegen eine Selbstverpflichtung und
Berichtspflicht zugrunde. Diese sind für die Parlamentarier des
Schleswig-Holsteinschen Landtages jedoch nicht ausschlaggebend, um den
Minderheiten- und Regionalsprachen einen entsprechenden Stellenwert zu
geben.
Der Mehrwert der Minderheitenbevölkerung für die Mehrheitsbevölkerung
ergibt sich vielmehr aus dem täglichen Miteinander, dem Leben
unterschiedlicher Kulturen und Traditionen in gegenseitiger Akzeptanz und
Achtung. Und genauso wie sich die sprachlichen Bande weiterentwickeln, gilt
es die Prozesse der Sprachencharta und deren Zielsetzung politisch
gemeinsam weiterhin positiv zu begleiten und nach vorne zu bringen!
Ich beantrage für die CDU-Fraktion die Überweisung in den Europaausschuss,
mitberatend in den Bildungsausschuss.
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