Günther Hildebrand zum Klimaschutz in der Landwirtschaft

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FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein                                                                                              1




Presseinformation
                                                                      Wolfgang Kubicki, MdL
                                                                      Vorsitzender
Nr. 176/2007                                                                                        Dr. Heiner Garg, MdL
                                                                      Stellvertretender Vorsitzender
Kiel, Mittwoch, 6. Juni 2007                                                                        Dr. Ekkehard Klug, MdL
                                                                      Parlamentarischer Geschäftsführer
Sperrfrist: Redebeginn                                                                              Günther Hildebrand, MdL


Es gilt das gesprochene Wort!

Agrar/Umwelt/Klima

Günther Hildebrand zum Klimaschutz in der
Landwirtschaft
In seinem Redebeitrag zu TOP 15 (Klimaschutz in der Landwirtschaft) sagte
der agrar- und umweltpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion,
Günther Hildebrand:

,,Klimaschutz und Klimawandel sind zu den größten Herausforderungen der
Menschheit geworden" ­ mit diesen Worten eröffnete am Montag
Umweltminister Christian von Boetticher die Fachkonferenz zum Klimawandel
und Klimaschutz in Kiel. Und ich füge hinzu: Die Anträge der Grünen zu
diesem Themenkomplex werden es in diesem Hause langsam auch.

Natürlich ist Klimaschutz eines der wichtigsten Themen, die es zurzeit zu
bearbeiten gibt ­ in Schleswig-Holstein, in Europa, weltweit. Denn jeder muss
seinen Beitrag dazu leisten, wenn es gilt, die durch Eingriffe des Menschen in
das Klima geschaffene Folgen zumindest abzumildern - auch die
Landwirtschaft.

Trotzdem müssen wir uns davor hüten, das Thema zur parteipolitischen
Profilierung zu missbrauchen, in dem wir es auf Klimafloskeln reduzieren.
Leider birgt der Antrag der Grünen genau diese Gefahr.

Wieder einmal wird dem Landtag zu den Stichworten Klimaschutz und
Landwirtschaft ein Maßnahmenkatalog unterbreitet, der genau die
klischeehafte Klimaschutzpolitik verfolgt, die wir erst im Februar bei der
Diskussion des Klimaschutzberichtes und CO2-Einsparungen in der
Landesverwaltung kritisiert haben.

Dass die Klimabilanz in der Landwirtschaft bereits per se sehr positiv ist,
dass bereits heute cross compliance gilt, die Wasserrechtsrahmenrichtlinie
und vieles mehr, lassen die Grünen geflissentlich außer Betracht.

Stattdessen der ,,bekannte" Maßnahmenkatalog ­ allerdings wird er auch
durch stetige Wiederholungen nicht besser. Lassen Sie mich das an nur zwei
Beispielen verdeutlichen:
Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag,                                    1
Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497,
E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/

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Erstes Beispiel: Verringerung des Einsatzes von mineralischer Düngung und
Pflanzenschutzmitteln ­ Natürlich, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes,
kann das ein Beitrag zum Klimaschutz sein. Aber was sind die Alternativen?

Biotechnologische Varianten kommen für die Grünen selbstverständlich nicht
in Betracht. ,,Precision Farming" (Präzisionsackerbau), also die zielgerichtete
Bewirtschaft von Agrarflächen mit Unterstützung von Satelliten-Technik,
Sensoren, Bordcomputer und Internet ist zwar bereits machbar, aber
trotzdem für die meisten Betriebe noch Zukunftsmusik.
Also zurück zu Gülle und Mist?

Dieser Wirtschaftsdünger kann weit effektiver in Biogasanlagen genutzt
werden. Bereits heute rechnet uns die Landwirtschaft vor, dass knapp ein
Sechstel der Emissionen der Landwirtschaft kompensiert werden könnten,
wenn Wirtschaftdünger in Biogasanlagen genutzt würden.

,,Wasch mich - aber mach mich nicht nass" ­ diese Devise hat noch nie
funktioniert. Sie klappt erst recht nicht im Bereich der Landwirtschaft. Denn
das Ziel der Förderung von Einkommen und Beschäftigung in der
Landwirtschaft ist mit den musealen Bewirtschaftungsformen, wie sie sich die
Grünen vorstellen, schlicht nicht zu machen. Denn die auf diese Weise
produzierten Produkte müssten teuer verkauft werden, um ein steigendes
Einkommen in der Landwirtschaft zu sichern ­ allerdings verlieren diese
Produkte genau dadurch schlicht an Wettbewerbsfähigkeit.

Zweites Beispiel: Biokraftstoffe. Es ist ja richtig, dass aufgrund steigender
Energiepreise und der Risiken der Versorgungssicherheit die alternativen
Energieträger auch wegen der mit der Verbrennung fossilier Brennstoffe
einhergehenden Kohlendioxidemissionen in den Fokus der
Klimaschutzdiskussion gerückt sind.

Aber: Schon im letzten Jahr hat das Institut für Weltwirtschaft in Kiel sehr
deutlich gemacht, dass Biokraftstoffe keine effiziente klimapolitische Option
darstellen. Denn die Treibhausvermeidungskosten beim Einsatz von in
Deutschland produzierten Biokraftstoffen liegen deutlich über den
Vermeidungskosten alternativer klimapolitischer Maßnahmen.

Ich will mit diesen beiden Beispielen die Vorschläge der Grünen nicht gleich
abtun. Ich will damit nur deutlich machen, dass das Thema nicht so einfach
zu ,,beackern" ist, wie es die Grünen Glauben machen wollen. Öko-Betriebe
und Investitionsprogramme der Landesregierung reichen jedenfalls nicht.

Im Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (shz) findet sich heute ein sehr
informativer Artikel, wie sich mit weniger Saatgut und Pflanzenchemie zu
mehr Erträgen kommen lässt. Der technische Aufwand dafür ist allerdings
noch enorm. Vielleicht lässt sich auf derartigen Grundlagen aber wesentlich
besser diskutieren. Als Stichwort können wir den Antrag der Grünen dazu
gerne aufgreifen ­ mehr nicht."




Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag,   2
Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497,
E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/