Bildleiste
Der Landtag Schleswig Holstein
 
 
SH-Landtag 
Presseticker 
[alle Meld.
[Archiv
[akt. Jahr
[Abo
[Suche
Abos 
Login 
ParlaTV 
Termine 
Suche 
ParlaNet 

 

Presseticker > alle > 2007 > Juni > 06 > 16:19

Lars Harms zu TOP 21 - Lokale Bündnisse für Familien in Schleswig-Holstein

Portable Document Format ist das Original der Pressemitteilung Weitere Formate: formatierter Text, Fliesstext und Layout

Presseinformation
Kiel, den 6.6.2007
Es gilt das gesprochene Wort




Lars Harms

TOP 21      Lokale Bündnisse für Familien in Schleswig-Holstein                   Drs. 16/1408


Die Sozialministerin hat mit Ihrem Bericht ein umfangreiches Kompendium des ehrenamtlichen

Engagements für Familien in Schleswig-Holstein vorgelegt. Die Akteure beweisen sehr

eindrucksvoll, wie viel Ideenkraft vor Ort vorhanden ist. Sie wissen nicht nur genau, wo den

Familien der Schuh drückt, sondern entwickeln auch viele neue Ideen, um deren Lebenssituation

zu verbessern. Ich würde mir wünschen, wenn alle, die sich um die Wünsche und Interessen von

Familien kümmern, diesen Bericht als eine Ideenbörse betrachten würden. Das Rad muss nicht

immer neu erfunden werden, anderenorts liegen bereits Ideen und in vielen Fällen auch

Erfahrungsberichte vor. Der SSW versteht den Bericht nicht nur als Arbeitspapier für das

Parlament, sondern auch als Handreichung für die Praxis. Das ist mehr, als man von den meisten

Berichten sagen kann.

Doch ich warne ausdrücklich davor, den durchweg positiv dargestellten Stand der Arbeit der

lokalen Bündnisse entweder als Startschuss für eine schleichende Aushöhlung professioneller

Strukturen zu benutzen und damit Ehrenamtler auszubeuten oder die lokalen Bündnisse als

Ersatz für eine engagierte Frauenpolitik zu missbrauchen.

                                                   2




Ich möchte beide Punkte erläutern. Zunächst zur Ausbeutung: ehrenamtliches Engagement, so

beklagen viele Vereine, wie zuletzt die Feuerwehren, sei in unserer Gesellschaft immer schwerer

zu organisieren. Das steht übrigens im krassen Gegensatz zur Behauptung im Bericht, dass immer

mehr Menschen Verantwortung übernehmen würden (Seite 5). Das Gegenteil ist der Fall: Immer

weniger Menschen engagieren sich. Das überlassen sie lieber anderen. Wenn dann die Wenigen,

die sich in Initiativen engagieren, mit Aufgaben überlastet werden, ist das ein hervorragender

Vorwand für alle anderen, sich gar nicht erst zu beteiligen.



Darum erachte ich es als besonders wichtig, ehrenamtliches Engagement staatlicherseits zu

unterstützen. Das wertet die Arbeit auf, steigert das Prestige und stabilisiert die Arbeit. Das Haus

der Familie in Flensburg bietet vielen Selbsthilfegruppen eine Plattform, angemessene

Gruppenräume und nicht zuletzt die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches. Die

Landesregierung muss sich überlegen, wie sie eine entsprechende Unterstützung der lokalen

Bündnisse organisiert. Die Ministerin schreibt selbst, dass es nicht nur um Geld und finanzielle

Unterstützung geht (Seite 5); aber es geht eben auch nicht nur um die ,,gemeinsame Umsetzung

guter neuer Ideen". Die neue Servicestelle im Ministerium ist gut, aber nicht ausreichend als

substantieller Überbau aller Initiativen.



Mir ist noch das Beispiel des Flensburger Schutzengels in guter Erinnerung. Das Projekt wurde

vom Sozialministerium in vielen Drucksachen gelobt, es ist sogar bundesweit schon

ausgezeichnet worden. Trotzdem gab es zwischendurch massive finanzielle Probleme, weil sich

die Lobenden nicht dauerhaft an dem Projekt beteiligen wollten. So etwas darf sich nicht

wiederholen. Ich bin sehr gespannt auf die Debatte zum Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen

zum Kinderschutz und die darin hoffentlich enthaltene Finanzierungsgrundlage ­ beispielsweise -

für ein Landesprogramm Schutzengel. Das werden wir ja nächsten Monat besprechen.

                                                  3

Zur Deprofessionalisierung. Der SSW hat bereits in der Vergangenheit wiederholt darauf

hingewiesen, dass soziale Arbeit ausreichend personell ausgestattet und solide finanziert werden

muss. Im Einzelfall mögen Stundenverträge mit angelernten Kräften ausreichend sein, aber das

kann nicht die Regel sein. Die Selbstausbeutung mancher Berufe sollte nicht als

Selbstverständlichkeit in Landesprogramme hineingeschrieben werden. Ich möchte hier kein

Wasser in den Wein gießen, aber nachdrücklich auf das zentrale Anliegen aller Bündnisse

hinweisen: die Schaffung familiengerechter Strukturen. Was für die Familienbildungsstätten gilt,

muss auch für die lokalen Bündnisse gelten: Familienpolitik braucht Profis!



Wenn, wie in Nordfriesland, Unternehmen durch das Bündnis individuell beraten werden sollen,

muss das durch qualifizierte Berater geschehen, die dann selbstverständlich von anderen

Aufgaben befreit werden. Die Kammern und die Kreishandwerkerschaft arbeiten mit im Bündnis

und können das entsprechende Knowhow bereitstellen. Wenn die Mitarbeiter in die Betriebe

gehen, muss die Finanzierung dieser zusätzlichen Aufgabe gewährleistet sein. Der zunehmende

Facharbeitermangel zwingt einzelne Betriebe bereits heute zur Schaffung familienfreundlicher

Arbeitszeiten, um die qualifizierte Mutter oder den qualifizierten Vater im Betrieb zu halten,

sofern es keine arbeitszeitdeckende Betreuung in Kitas gibt. Doch dabei benötigen die

Unternehmer Unterstützung. Da helfen keine Broschüren, sondern nur tatkräftige Hilfe bei der

Änderung betrieblicher Abläufe. Hier müssen Profis ran.



Professionelle Arbeit muss solide finanziert werden. Da besteht sicherlich Konsens. Ich würde mir

wünschen, wenn wir möglichst bald über einen Finanzierungsplan aller familienfreundlichen

Maßnahmen, abseits der zahlreichen Projekte, diskutieren. Ein Handlungskonzept, eine

Familienpolitik aus einem Guss, hat der SSW bereits mehrmals vergeblich angemahnt.



Lobenswerterweise listet der Bericht die teilnehmenden Akteure der Bündnisse auf. Dabei zeigt

sich, dass es nur wenigen Bündnissen gelingt, über die, lassen Sie mich es zuspitzend formulieren,

üblichen Verdächtigen hinaus, also die Sozialverbände, Vertreter der Wirtschaft ins Bündnis zu

                                                  4

integrieren. In Flensburg ist das gelungen. Motorola als einer der größten Arbeitgeber der Region

ist dabei. Ich halte es für besonders wichtig, dass die Bündnisse wirtschaftlichen Akteuren die

Chance zum Austausch geben. Doch bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen: ein Personalchef

wird nur dann beim Bündnis mitarbeiten, wenn sich das betriebswirtschaftlich rechnet. Der SSW

ist der festen Überzeugung, dass das geht! Da stimmen wir mit der Landesregierung überein, die

Familienfreundlichkeit zunehmend als einen wichtigen Standortfaktor begreift. Hier müssen die

Bündnisse noch stärker unterstützt werden, damit das Anliegen auf eine breite, gesellschaftliche

Basis gestellt wird. Die Schaffung familienfreundliche Strukturen ist eine Aufgabe der

Gesellschaft und integraler Bestandteil der Politik. Damit komme ich zum letzten Punkt: wer unter

dem Stichwort Familienpolitik Frauenförderung ersetzen oder Kinderschutz einfach mit erledigen

möchte, muss mit erheblichem Widerstand rechnen. Die Politikfelder sind zwar miteinander

verzahnt, aber durchaus nicht überall deckungsgleich. Eine gute Familienpolitik ersetzt nicht die

Notwendigkeit, dass Frauen in Beruf und Gesellschaft gleichgestellt werden müssen.
  • Twitter
  • Facebook
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg