Presseinformation der SPD-Landtagsfraktion Kiel, 12.10.2007 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell TOP 17 - Herausforderungen des demografischen Wandels für den Wirtschaftsstandort Schles- wig-Holstein annehmen (Drucksache 16/1627) Bernd Schröder: Ältere Beschäftigte im Erwerbsleben halten, jüngere integrieren Das Statistische Amt hat eine Bevölkerungsvorausberechnung bis 2020 für die Kreise und kreisfreien Städte in Schleswig-Holstein erstellt. Danach werden 2020 in Schleswig-Holstein 2,828 Millionen Menschen leben - in etwa so viele wie heute. Erst nach 2020 wird die Einwohnerzahl deutlich unter das Niveau von heute sinken. Bedeutender als die Entwicklung der Einwohnerzahlen werden die Altersstrukturver- änderungen sein. 2020 werden in Schleswig-Holstein rund 853.000 Menschen leben, die 60 Jahre und älter sind. Das sind rund 131.000 Menschen mehr als heute. Gleich- zeitig wird bis 2020 die Zahl jüngerer Menschen unter 20 Jahre um rund 103.000 zu- rückgehen. Aus der Alterung der Bevölkerung resultiert ein deutlicher Anstieg der Zahl der Haushalte im Land. Ich möchte bei dieser Gelegenheit mit einem Vorurteil aufräumen. Es wird immer wie- der behauptet, von allen Staaten Europas sei die Geburtenrate in Deutschland am niedrigsten. Das ist nachweisbar falsch. Im Vatikanstaat ist sie noch niedriger. Im Ernst: der demographische Wandel ist eine der größten Herausforderungen, vor der unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft stehen. Er verstärkt den Fachkräfte- mangel, der sich heute schon bemerkbar macht. Nach einer Untersuchung des Institu- Herausgeber: Landeshaus SPD-Landtagsfraktion Postfach 7121, 24171 Kiel Verantwortlich: Tel: 0431/ 988-1305/1307 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Petra Bräutigam Fax: 0431/ 988-1308 Internet: www.spd.ltsh.de -2- tes für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Kiel weist Schleswig-Holstein im Bereich der Verfügbarkeit von Fachkräften schon jetzt Defizite auf, was sich bereits negativ auf Standortentscheidungen von Unternehmen auswirkt. Die demographische Entwick- lung droht langfristig den derzeitigen Fachkräftemangel noch zu verschärfen. Wir müssen ältere Beschäftigte im Erwerbsleben halten und jüngere Erwerbstätige in das Erwerbsleben integrieren. Unternehmen erkennen, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein echter Gewinn sind, wenn es um ihr Fachwissen, ihre Erfahrung und ihre Kompetenzen bei Problemlösungen geht. Und junge Menschen leben schon jetzt mit dem Wissen, dass sie voraussichtlich häufiger in ihrem Berufsleben Wandel vollziehen müssen, von der lebenslangen Weiterbildung bis zu Berufswechseln. Der demographische Wandel bietet für Schleswig-Holstein nicht nur Risiken, sondern auch besondere Chancen. Nach den vorliegenden Prognosen wird die ältere Bevölke- rungsstruktur zu einer höheren Nachfrage nach Dienstleistungen in den Sektoren Gesundheit, Pflege, Wellness, Tourismus und Freizeit führen. Hier hat unser Land Wettbewerbsvorteile, die es zu nutzen gilt. Diese Bereiche müssen weiter gezielt ge- fördert und noch stärker auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet werden. Neue Angebote im Gesundheits- und Wellness-Bereich oder im Kulturtourismus sind der richtige Weg. Wir müssen gemeinsam mit der Wirtschaft im Land, insbesondere mit den Tourismus-Anbietern, Ideen entwickeln, die unsere kleinen und mittleren Be- triebe bei der Gestaltung von Angeboten für diese wachsende Zielgruppe unterstützen. Auf dem Arbeitsmarkt setzen wir weiterhin auf Qualifizierung ­ ob in der beruflichen Erstausbildung oder in der Weiterbildung. Qualifizierung der Beschäftigten und der Ju- gendlichen muss ausgeweitet werden. Das ,,Bündnis für Ausbildung" sowie das Wei- terbildungskonzept tragen dem bereits weitgehend Rechnung. Dazu gehören auch in- tensivere Fort- und Weiterbildungsangebote für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeit- -3- nehmer, Unterstützungsangebote für erwerbstätige Mütter und Väter sowie neue Ar- beitszeitmodelle. Gezielte Investitionen in die Entwicklung und den Erhalt der individuellen Leistungs- fähigkeit älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden künftig für Betriebe ebenso wie für Beschäftigte attraktiver. Wir nehmen gemeinsam die Herausforderungen des demographischen Wandels für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein an. Ich bitte Sie um Zustimmung zum An- trag der Fraktionen von CDU und SPD.