FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1 Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Nr. 036/2008 Dr. Heiner Garg, MdL Stellvertretender Vorsitzender Kiel, Donnerstag, 31. Januar 2008 Dr. Ekkehard Klug, MdL Parlamentarischer Geschäftsführer Sperrfrist: Redebeginn Günther Hildebrand, MdL Es gilt das gesprochene Wort! Soziales/Kinder/Jugendliche/Alkohol Heiner Garg: Zusammenarbeit weiter verstärken In seinem Redebeitrag zu TOP 28 (Aktionsbündnis gegen den Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen) sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Dr. Heiner Garg: ,,Als im vergangenen Jahr in Berlin ein 16-Jähriger nach mehr als 40 Gläsern Tequila ins Koma fiel und nach wenigen Wochen an den Folgen verstarb, waren die reflexhaften Reaktionen einiger Politiker bereits vorauszusehen: Neue Gesetze sollten den Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen künftig noch effektiver verhindern. Dass es auch anders geht, zeigt der Bericht über das Aktionsbündnis gegen Alkoholmissbrauch. Anstatt immer neue Gesetze zu fordern, sind bereits bestehende konsequent anzuwenden. Bei entsprechendem Gesetzesvollzug dürften Fälle, wie die des Berliner Jugendlichen, gar nicht erst passieren. Es ist jetzt schon möglich, sogenannte ,,Flat-Rate-Parties" oder ,,Komaparties" zu verhindern ­ die vorhandenen Instrumente müssen nur konsequent eingesetzt und ausgeschöpft werden. Insoweit war es richtig, dass die Landesregierung die Bürgermeister und Amtsvorsteher in Schleswig-Holstein auf die vorhandenen Instrumente noch einmal hingewiesen hat, wie der Anlage 3 und 5 des Berichtes zu entnehmen war. Viele Kommunen haben nicht nur darauf reagiert, sie handeln bereits seit Jahren in diesem Sinne: So gibt es neben der freiwilligen Selbstverpflichtung von Betreibern von Discotheken, Clubs und Gaststätten bereits Runde Tische zwischen Ordnungsbehörden und Discothekenbetreibern oder Jugendschutzstreifen, wie auf der Kieler Woche. Eines muss ich aber auch ganz deutlich sagen: Es sind nicht nur die Gastwirte in der Verantwortung, sondern auch die Eltern. Der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol ist auch eine Erziehungsfrage. Christian Albrecht, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 2 In manchen Familien wird das Trinken von Alkohol als ein Aufnahmeritual in das Erwachsenenleben zelebriert ­ unabhängig vom sozialen Status der Familien. Wenn aber Jugendliche das Erwachsen sein mit einer möglichst hohen Menge an Alkoholkonsum gleichsetzen, dann ist etwas schief gelaufen. Deshalb muss mehr geschehen, als die Bündelung repressiver Maßnahmen, wenn der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen bekämpft werden soll. Als die effektiveren Instrumente gegen den Alkoholmissbrauch haben sich letztlich die Prävention und Aufklärung erwiesen. Der Bericht macht deutlich, dass es in Schleswig-Holstein eine ganze Bandbreite solcher Präventionsangebote gibt. Ob Suchtprävention an Schulen oder speziell für Jugendliche mit Migrationshintergrund - in Schleswig-Holstein werden verschiedene Strategien verfolgt, um diese Jugendlichen ­ aber auch ihre Eltern ­ zu erreichen. Der insgesamt sinkende Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den vergangenen 30 Jahren zeigt, dass diese Instrumente wirken. Allerdings steigt die Zahl derjenigen Jugendlichen immer weiter an, die exzessiv trinken und damit schon in sehr jungem Alter anfangen. Die Studie des Robert-Koch-Institutes zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Schleswig- Holstein bestätigt den Eindruck, dass bei einer Gruppe von insbesondere 16-jährigen männlichen Jugendlichen der Alkoholkonsum zu früh und auf hohem Niveau stattfindet. Genau bei diesen Jugendlichen besteht die Gefahr, dass sie sehr viel schneller Alkoholabhängig werden als Erwachsene. Wie können aber gerade diese Jugendlichen effektiv erreicht werden? Einerseits dadurch, in dem die bestehenden Präventionsangebote weiter gebündelt und vernetzt werden. Andererseits dadurch, dass die Erkenntnisse aus dem Bundesmodellprojekt ,,Hart am Limit" (HaLT), das im Kreis Segeberg bis Ende 2007 durchgeführt worden ist, landesweit in die Präventionsprojekte einfließen. Es ist der richtige Ansatz, Jugendliche, die mit Alkoholvergiftung in die Notaufnahme der Krankenhäuser eingeliefert werden, noch während der stationären Behandlung anzusprechen. Neben den behandelnden Ärzten wurden gleichzeitig Jugendämter, Schulen, Erziehungsberatungsstellen aber auch Polizeidienststellen und Ordnungsämter eingebunden, so dass diesen Jugendlichen maßgeschneiderte Hilfen angeboten werden konnten. Gleichzeitig können über diesen Weg auch die Eltern erreicht werden. Das Ergebnis dieser aufsuchenden Kontaktarbeit war ein deutlicher Rückgang der mit Alkoholvergiftung eingelieferten Jugendlichen. Ob dieser Rückgang unmittelbar mit dem Modellprojekt ,,HaLT" zusammenhängt, kann letztlich nicht nachgewiesen werden ­ auffällig ist es aber schon. Vor allem dann, wenn im bundesdeutschen Trend im gleichen Zeitraum ein deutlicher Behandlungsanstieg von Jugendlichen mit Alkoholvergiftungen in den Krankenhäusern festgestellt werden muss. Der Bericht zeigt, dass ein Aktionsbündnis dann erfolgreich sein kann, wenn die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Institutionen funktioniert. Genau an dieser Zusammenarbeit muss weiter gearbeitet werden." Christian Albrecht, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/