PRESSEDIENST Es gilt das gesprochene Wort! TOP 33 ­ Bericht zur Umsetzung der Empfehlungen der Erichsen-Kommission Dazu sagt die hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: Fax: Mobil: E-Mail: Internet: 0431 / 988-1503 0431 / 988-1501 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Angelika Birk: Nr. 283.08 / 17.7.2008 Straffung der Forschung und Lehre der Medizin wurde nicht erreicht Viele Vorschläge der Erichsen-Kommission mündeten in entsprechende Zielvereinbarungen zwischen Land und Hochschulen und wurden von den Hochschulen sogar im vereinbarten Zeitrahmen umgesetzt. Das verdient Lob! Über die Qualität der Umsetzung mag man sich streiten: Wenn zum Beispiel die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit dem Wechsel von hunderten von Lehramtsstudierenden nur vier Planstellen an die Universität Flensburg verlagert und an der Universität Flensburg nur 20 neue Studierende anfangen. Auch das neue Hochschulgesetz hat Kinken: Statt eines Hochschulrates für alle Hochschulen schuf es einen Universitätsrat für alle Universitäten und für jede Fachhochschule einen Hochschulrat. Diese ganze Konstruktion hat nicht für Gegenliebe gesorgt und von den neuen Räten hört man bisher wenig. Der Universitätsrat schafft es seit über einem halben Jahr nicht, das Präsidium der Universität Flensburg neu zu besetzen. Seit April sollte da eigentlich schon ein neues Gesicht begrüßt werden. Sowohl vom inhaltlichen wie auch vom finanziellen Gewicht sind die beiden medizinischen Fakultäten die Flaggschiffe der schleswig-holsteinischen Hochschullandschaft. Die Erichsen-Kommission hatte empfohlen, die Zahl der Professuren und der Studienplätze dort drastisch zu reduzieren. 1/2 Denn so gut es ist, wenn sich medizinische Forschung als Excellenzcluster bundesweit profiliert und zum Rückrat des Gesundheitsstandortes Schleswig-Holstein beiträgt, so ist doch zu bezweifeln, ob jede Abteilung eines Krankenhauses der Maximalversorgung in Kiel und Lübeck von einer Professur geleitet werden muss. Und nur der Abbau von Professuren führt im norddeutschen Länderverbund zum vereinbarten Ziel der Reduzierung von Studienplätzen der Medizin, den teuersten Studienplätzen überhaupt. Für zehn von ihnen, könnte man hundert in anderen Bereichen schaffen, und Schleswig Holstein braucht insgesamt mehr Studienplätze. Genau dieses Ziel, die Straffung der Forschung und Lehre der Medizin, wurde trotz einiger Fortschritte deutlich nicht erreicht und wird auch von den Akteuren in der Medizin heftig bekämpft. Allerdings bleibt positiv festzuhalten, dass das Medizinstudium trotz der viel zu knappen Finanzierung bundesweit gut im Ranking steht: Die medizinische Fakultät Lübeck nimmt hier sogar einen hervorgehobenen Platz in der Lehre ein. Trotzdem: Da eine Abstimmung der Fakultäten im Medizinausschuss auf Schwerpunkte nicht gut funktioniert, was fatale Folgen für die wirtschaftliche Situation des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein hat, dessen Krankenhausbetrieb immer noch aus dem Hochschuletat zweistellig gestützt werden muss, bleibt die Medizin auch die Achillesferse der landesweiten Hochschulentwicklung. ***