Presseinformation der SPD-Landtagsfraktion Kiel, 17.07.2008 Landtag aktuell Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn TOP 33: Umsetzung der Empfehlungen der Erichsen-Kommission (Drucksache 16/2136) Jürgen Weber: Insgesamt positive Bilanz Im Jahre 5 nach Erichsen ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen, zu welchen Ergebnissen die Empfehlungen geführt haben, die uns eine Kommission vorgelegt hatte, die von der Landesregierung und der Landesrektorenkonferenz gemeinsam einberufen wurde. Wir haben seinerzeit im Landtag ausführlich über die Gutachten geredet. Und wir waren uns einig über die klaren Vorgaben: den Abbau von nicht ausreichend nachgefragten Mehrfachangeboten, die Konzentration von Studiengängen, eine stärkere Kooperation in Forschung und Lehre zwischen Universität und Fachhochschulen, und eine Arbeitsteilung und Schwerpunktsetzung im Fächerangebot zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg. Wir hatten uns damals dafür ausgesprochen, nicht nur zu fragen, wie die Empfehlungen umgesetzt werden sollen. Wir haben auch von Beginn an gesagt, welchen Empfehlungen wir aus gutem Grunde nicht folgen wollen. Dazu zählte beispielsweise die Einführung von Studiengebühren, die Aufgabe der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Flensburg sowie die Verlagerung des Fachbereichs Landbau von Osterrönfeld nach Kiel. Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de -2- Grundsätzlich war und ist die Erwartung, dass die Empfehlungen der ErichsenKommission weitgehend in der Hochschullandschaft auch umgesetzt werden. Die Liste der erfolgreichen Umsetzungen ist durchaus lang. Ich nenne beispielhaft die Stärkung der Biowissenschaften an der CAU, die Konzentration der technisch-naturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität zu Lübeck auf die medizinnahen Fächer, die Verlagerung der Realschullehrerausbildung und die Konzentration des Studiengangs für das Lehramt an Sonderschulen an der Universität Flensburg, die Weiterentwicklung der Muthesius Hochschule zur Kunsthochschule, die Verlagerung des Studiengangs Maschinenbau von Heide nach Flensburg die Konzentration des Bauwesens an der FH Lübeck Einige der strukturellen Empfehlungen sind durch das neue Hochschulgesetz abgearbeitet worden. Aus der Empfehlung eines hochschulübergreifenden Hochschulrates für unser Land sind im Gesetz allerdings ein Universitätsrat und Hochschulräte der übrigen Hochschulen geworden. Eine Lösung, die wir uns hätten anders vorstellen können, die jetzt aber positiv mit Leben gefüllt werden sollte. Trotz der insgesamt positiven Bilanz dürfen einige Problembereiche nicht außer Acht gelassen werden. Die Reduzierung der Professuren im Bereich der Medizin und die entsprechende Reduzierung des Studienangebots sind bisher nicht in zufrieden stellendem Maße erfolgt. Eines der Kernthemen, mit denen sich die Erichsen-Kommission befasst hat, bleibt akut: Der Anteil der Hochschulmedizin an den Gesamtkosten von Hochschullehre und Hochschulforschung in Schleswig-Holstein ist immer noch zu hoch. Hier erwarten wir, dass der neu gestaltete Medizinausschuss wissenschaftsseitig die Weiterentwicklung der beiden medizinischen Fakultäten in Kiel und Lübeck so in Angriff nimmt, dass mit mehr Synergien und mehr Kooperation die Qualität verbessert -3- werden kann und dabei die Zielvorgabe einer Reduzierung des Angebots nicht aus dem Auge verloren wird. Die Kooperation mit Hochschulen außerhalb von Schleswig-Holstein gehörte nicht unbedingt zu den besonderen Stärken der Kommissionsempfehlungen. Die Ergebnisse der Kooperationsbemühungen nehmen sich zudem noch außerordentlich bescheiden aus. Für die Zuständigkeitsbereiche der CAU in der Theologie, den Sozialwissenschaften und kleinen philosophischen Fächern hat es Vereinbarungen mit sehr sparsamer Schwerpunktbildung gegeben. Für den Bereich der Musikhochschule Lübeck hingegen sieht der Bericht der Landesregierung die Kooperationsbemühungen mit Hamburg als gescheitert an. Ich rege an, dass wir bei den parlamentarischen Diskussionen über Berichte und Zwischenberichte zur Umsetzung der Zielvereinbarung zwischen Land und Hochschulen regelmäßig auch die Empfehlungen der Erichsen-Kommission zur Hand nehmen, um einen kritischen Blick auf die Erledigung der noch ausstehenden Desiderata zu werfen. Ich bitte um Überweisung des Berichts in den Bildungsausschuss und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.