PRESSEDIENST Es gilt das gesprochene Wort! TOP 32 ­ Ostseeaktivitäten der Landesregierung Dazu sagt für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: Fax: Mobil: E-Mail: Internet: 0431 / 988-1503 0431 / 988-1501 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Angelika Birk: Nr. 285.08 / 18.7.2008 Das Land sollte nicht in Brücken aus Asphalt, sondern in Kultur- und Bildungskooperationen rund um die Ostsee investieren Eines der ältesten und erfolgreichsten ständig gewachsenen kulturellen Netzwerke rund um die Ostsee, sind in die Nordischen Filmtage zu Lübeck, die dieses Jahr 50 Jahre alt werden. Ganz ohne europäische- und Landesförderung groß geworden, ziehen sie heute zigtausende von Menschen an. Lübeck ist jährlich im November das Fenster der skandinavischen und baltischen Filmkunst zum Europa südlich der Ostssee. Nicht der seit einigen Jahren gestartete Versuch, der Landesregierung, dieses Ereignis mit roten Teppichen und Glamour aufzuhübschen, ist das Geheimnis des Erfolgs, sondern der Wunsch aller Beteiligten Laien wie Fachleute nach gemeinsamem Filmerleben und unverkrampftem Dialog. Gut drei Monate vor der Berlinale finden hier Filmpremieren aus den nördlichsten Staaten in Deutschland statt. Die erfolgreiche schleswig-holsteinische Filmnachwuchsförderung, die Filmemacher wie den jetzt schon legendären Detlev Buck hervorgebracht hat, wäre nicht denkbar ohne diesen lebendigen produktiven Dialog mit Skandinavien und den baltischen Ländern. ,,Wir können auch anders." Dieser Bucksche Filmtitel kann auch für die vielen kulturellen Aktivitäten unter dem Stichwort Ars Baltica stehen, zu denen nach Jazz Baltica als jüngstes Kind die Folk Baltica sich dank enthusiastischer Publikumsteilhabe erfolgreich etablieren konnte. Hier findet wirklich Völkerverständigung und europäische Integration an der Basis statt. 1/2 Der Bericht der Landesregierung enthält keine Haushaltszahlen. Dies dürfte in dem einen oder anderen Fall auch peinlich für die Landesregierung sein. Denn die Mittel, die aus dem Landeskulturetat oder der Europäischen Union für diese nachbarschaftliche Kooperation zur Verfügung stehen, sind abgesehen vom Schleswig-Holstein Festival, das sich auch zunehmend zu einem nordeuropäischen Ereignis mausert, eher minimal. Ohne das Engagement und das Geld der Städte Lübeck und Flensburg, privates Sponsoring und den Zuspruch des Publikums könnten diese Leuchttürme der europäischen Kultur nicht stetig blinken. Diese Leuchtfeuer dürfen nicht leichfertig durch Rasenmähersparmaßnahmen zum Flackern oder gar Verlöschen gebracht werden. Nachgezogen und an deutlicher Qualität und Dichte zugenommen haben in den letzten Jahren auch die Kooperationen rund um die Ostsee auf dem Gebiet der beruflichen und wissenschaftlichen Bildung, der Lehrerbildung und der Forschung. An manchen Hochschulen nicht nur in Flensburg sind sie zum Kern der Aus- und Fortbildung in zentralen Fächern geworden. Dies wollten der bisherige Wissenschaftsminister und auch manche hier im Parlament nicht wahrhaben. Sie stellen gegen diesen vermeintlichen Luxus der Kooperation mit Dänemark und anderen nordischen Ländern, die Konzentration auf Pflichtaufgaben und verkennen, dass das spezifische Profil, das Pfund, mit dem unsere Hochschulen wuchern können, genau diese Kooperationen mit unseren Nachbarregionen sind, mit Staaten und Kommunen, von denen wir in der Schul- und Wirtschaftspolitik viel lernen können. Anstatt in Brücken aus Asphalt - wie die Fehmarnbelt-Querung - sollte Schleswig Holstein deutlich mehr in Kultur- und Bildungskooperationen rund um die Ostsee investieren. Das würde sich - nicht zuletzt - auch wirtschaftlich lohnen. ***