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Presseticker > alle > 2008 > September > 10 > 11:39

Ralf Stegner zu TOP 3a und 3b: Wir wollen Bildung

Portable Document Format ist das Original der Pressemitteilung Weitere Formate: formatierter Text, Fliesstext und Layout

    Presseinformation der SPD-Landtagsfraktion


                                                                                               Kiel, 10.09.2008
Landtag                                                          Es gilt das gesprochene Wort!
                                                                         Sperrfrist: Redebeginn
aktuell

TOP 3: a) Entwurf eines Haushaltsstrukturgesetzes zum Haushaltsplan 2009/2010, b) Finanzplan
des Landes Schleswig-Holstein 2008-2012


Ralf Stegner:


Wir wollen Bildung


Mit einem Bekenntnis zur nachhaltigen Haushaltskonsolidierung beginnt der Vorsit-
zende der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Ralf Stegner, seine Rede. Ein gesellschaftlich
und wirtschaftlich zukunftsfähiges Schleswig-Holstein hat einen enormen Investitions-
bedarf in den Bereichen Bildung und Betreuung. Wir müssen unsere Strukturen effi-
zienter gestalten, fordert Stegner. Dazu gehört eine konsequente Verwaltungsstruktur-
und Funktionalreform. Er schlägt einen Zukunftspakt für Bildung, Kinderbetreuung und
Familien vor mit Einstieg in die beitragsfreie Kita-Betreuung und mehr Chancengerech-
tigkeit im Schulsystem. Die SPD möchte Kostenfreiheit für Bildungsangebote auf allen
Ebenen einschließlich dem gebührenfreien Erststudium. Das Haushaltsdefizit Schles-
wig-Holsteins ist zu einem großen Teil strukturell bedingt, deswegen müssen diese
strukturellen Nachteile mit solidarischer Hilfe der anderen Länder bei unseren Alt-
schulden ausgeglichen werden. Das Land selbst kann durch Bürokratieabbau zum
Sparen beitragen. Wie auf der Ämterebene, muss das auch auf der Kreisebene funkti-
onieren. Stegner argumentiert gegen Förderungen nach dem Gießkannenprinzip und
fordert Prioritäten; jede Förderung muss daran gemessen werden, in wie weit sie den
Zielen der Gerechtigkeit und der Nachhaltigkeit genügt. In diesem Zusammenhang
geht es auch um Mindestlohn und Tariftreue. Denn wo es keinen fairen Lohn gibt, er-
höht sich die Staatsquote für Sozialleistungen. Stegner möchte, dass das Parlament
mehr Einfluss bekommt auf die Auswahl von Förderprojekten und über Evaluationen.




Herausgeber:                    Landeshaus
SPD-Landtagsfraktion            Postfach 7121, 24171 Kiel
Verantwortlich:                 Tel: 0431/ 988-1305/1307    E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de
Petra Bräutigam                 Fax: 0431/ 988-1308         Internet: www.spd.ltsh.de

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Er würdigt den Beitrag der Beschäftigten des Landes zur Konsolidierung des Haus-
halts und bekräftigt Zusagen, was den Stellenbestand im Vollzugsdienst der Landes-
polizei und das Personalentwicklungskonzept für die Polizei betrifft.




Die Rede im Wortlaut:

Vom römischen Kaiser Marc Aurel stammt die Aufforderung: ,,Die Zukunft darf dich
nicht beunruhigen; wenn es nötig werden sollte, wirst du ja an sie im Besitz derselben
Vernunft herankommen, die du jetzt gegenüber der Gegenwart gebrauchst." Diese
Aufmunterung passt gut für meine erste Haushaltsrede als Fraktionsvorsitzender. Die
SPD-Fraktion bekennt sich ausdrücklich dazu, heute alle Anstrengungen zu unter-
nehmen für eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung, indem wir entschlossen die
Weichenstellungen für die Zukunft vornehmen, die politisch notwendig und verantwort-
bar sind. Lassen Sie mich mit einer Einsicht beginnen, die aus dem Haushaltskonzept
eines früheren Finanzministers stammt:

,,Selbst bei einem angemessenen Wirtschaftswachstum wäre ohne einschneidende
Änderungen der haushaltspolitischen Rahmenbedingungen und Konzepte die Hand-
lungsfähigkeit des Staates gefährdet bzw. eingeschränkt. Hinzu kommen erhebliche
Herausforderungen, die es notwendig machen, auch sehr langfristige, d.h., über die
Dauer von Legislaturperioden hinausreichende Fragestellungen aufzuarbeiten und
entsprechende Konsequenzen für die Haushaltsplanung und insbesondere für die
Förderpolitik des Landes zu ziehen. Dazu gehört insbesondere die demografische
Entwicklung, aber auch die Entwicklung der Wirtschaftsstruktur sowie die Veränderun-
gen in der föderalen Struktur Deutschlands und eines wachsenden Europas."

Damals schlug ich einen Konsolidierungs- und Wachstumspakt vor und um etwas Ähn-
liches muss es auch heute gehen.

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Wir sehen, dass wir trotz steigender Steuereinnahmen Probleme haben, allein die Mi-
nimalanforderungen finanziell zu bedienen. Wir sehen, dass wir für ein gesellschaftlich
und wirtschaftlich zukunftsfähiges Schleswig-Holstein einen enormen Investitionsbe-
darf in den Bereichen Bildung und Betreuung haben. Alles andere würde zum ei-
nen jene ohne Perspektiven lassen, die dringend welche brauchen, und uns zum an-
deren von der deutschen und europäischen Entwicklung abhängen.

Was heißt das?

   1. Wir müssen unsere Strukturen effizienter gestalten! Jeder Euro, der in unnötige
      Bürokratie fließt, ist ein Euro zu viel. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen
      mit einer konsequenten Verwaltungsstrukturreform und der Funktionalre-
      form. Ich hoffe immer noch ­ trotz der gestrigen Einlassungen des Kollegen Dr.
      Wadephul -, dass im Koalitionsausschuss nächste Woche die Zeichen auf grün
      bleiben und nicht parteipolitische Erwägungen dem Wohl des Landes vorgezo-
      gen werden.

   2. Wir können und dürfen auf Einnahmen nicht verzichten. Das gilt in jeder Hin-
      sicht. Ich fordere hier ganz klar eine vernünftige Reform der Erbschaftsteuer,
      die z. B. durch angemessene Belastung der großen Immobilienvermögen nicht
      nur gerechter ist, sondern uns auch eher mehr als weniger Geld in die Kassen
      bringt.

   3. Wir müssen gerade vor den großen Herausforderungen in Sachen Bildung
      Steuersenkungsphantasien solange eine Absage erteilen, solange keine se-
      riöse Gegenfinanzierung steht oder Schleswig-Holstein in der Lage ist, einen
      Haushalt ohne neue Schulden aufzustellen.

   4. Wir werden unsere Schwerpunkte nur finanzieren können, wenn wir auf ande-
      res verzichten. Ich glaube, dass wir in der gesamten Förderpolitik diesbezüg-
      lich eine eindeutigere Ausrichtung brauchen ­ Gießkannen helfen dabei, Zim-
      merpflanzen zu wässern, für eine vernünftige Haushaltspolitik taugen sie nicht.

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Wir brauchen einen Zukunftspakt für Bildung, Kinderbetreuung und Familien. Die
wirtschaftsliberalen Konzepte rigoroser Ordnungstheoretiker taugen nicht für die politi-
sche Praxis. Im Gegenteil: Sie stärken real die aktuelle Negativspirale, da wir wichtige,
ja existentielle Weichenstellungen für die Zukunft nicht treffen könnten. Bildung ist der
Rohstoff, aus dem wir zukünftigen Wohlstand und eine gerechtere Gesellschaft errei-
chen können. Das ist ein teurer Rohstoff; es gibt nur eines, was uns noch teurer zu
stehen käme, nämlich wenn wir diesen Rohstoff in den Köpfen unserer Kinder und Ju-
gendlichen nicht entschlossen fördern.


Es gibt nichts Besseres als Bildung, wenn man eine Gesellschaft stark, leistungsfähig,
gesund und modern gestalten will. Bildungsarmut hingegen zieht andere Arten von
Armut nach sich. Wer Bildung hat, partizipiert ­ das gilt für Einzelne ebenso wie für die
Bildungsgesellschaft. Menschen mit höherer Bildung sind deutlich weniger von Arbeits-
losigkeit und von Armut bedroht, sie werden älter und sie können die Teilhabemöglich-
keiten in unserer Gesellschaft besser nutzen.
Wer Gerechtigkeit will, muss für faire Bildungschancen sorgen.


Deshalb müssten wir uns den Einstieg in die beitragsfreie Kindertagesstätte selbst
dann leisten, wenn wir ihn uns fiskalisch und nach dem Saldo aus gegenwärtigen Ein-
nahmen und Ausgaben nicht leisten könnten. Deshalb müssen wir dringend Geld in
die Hand nehmen, um mehr Chancengerechtigkeit in unserem Schulsystem herzustel-
len. Landesweit stimmen die Eltern mit den Füßen ab und geben uns Sozialdemokra-
ten Recht, wenn wir ihren Kindern längeres gemeinsames Lernen und Aufstieg durch
Bildung von Flensburg bis Ratzeburg ermöglichen.


Deshalb betonen wir die Qualität der Bildung auch und gerade in der Weiterbildung.
Bildungsbarrieren sind Zukunfts- und Wohlstandshemmnisse bzw. ganz praktisch die
Haushaltsprobleme von morgen ­ ob beim Jugendhilfeetat oder bei den Sozialtrans-
fers im Erwerbsalter und später noch einmal nach dem Berufsleben.

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Für uns gilt weiterhin, so wie es auch Sozialdemokraten auf Bundesebene und in an-
deren Ländern in der vergangenen Woche erneut bekräftigt haben, dass wir die Kos-
tenfreiheit für Bildungsangebote auf allen Ebenen erreichen wollen; für uns gilt
weiterhin, dass auch das Erststudium von Gebühren frei bleiben muss, mit der SPD-
Fraktion wird es Studiengebühren in Schleswig-Holstein nicht geben.


Wir wollen nicht auf Effizienz verzichten. Mit der Verteilung von Geld allein ist es nicht
getan, sondern es braucht eine vernünftige, an Fairness und Gerechtigkeit orien-
tierte Struktur, wenn wir bestehende Ungleichheiten überwinden wollen. Es geht nicht
um Tabubereiche im Landeshaushalt und die Effizienz bestehender Strukturen wird
auch im Bildungsbereich nicht ausgeklammert. Und, ja: Wir können auch weniger Bil-
dungsbürokratie und mehr Eigenständigkeit für Schulen noch erreichen.


Bildung ist mehr als nur Schule. Unser Land wird deshalb seine Ausgaben für die Bil-
dung und Betreuung kleiner Kinder in den nächsten zwei Jahren beinahe verzehnfa-
chen. Wir Sozialdemokraten wollen die Gebührenfreiheit für das erste KiTa-Jahr si-
cherstellen. Darüber hinaus streben wir weiterhin an, in der kommenden Legislaturpe-
riode zusätzlich das zweite und das dritte KiTa-Jahr für die Eltern kostenfrei zu gestal-
ten.


Und wir müssen dafür sorgen, dass kein Kind in Schleswig-Holstein ohne warme
Mahlzeit bleibt. Zu diesem Weg haben uns Fachleute in Gesprächen noch einmal aus-
drücklich ermutigt. Der volkswirtschaftliche Nutzen amortisiert schnell die Anfangsin-
vestitionen, so wie das die Frau Bildungsministerin vor einigen Monaten zu Recht von
diesem Redepult aus festgestellt hat.


Lassen Sie mich an dieser Stelle auch kurz auf die Debatte über die Kosten der
Schulreform eingehen: Klar ist, dass diejenigen Schulträger, die sich stetig und kon-

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sequent um die Instandhaltung und Entwicklung der Schulen ihn ihrem Verantwor-
tungsbereich gekümmert haben, heute viel bessere Ausgangsbedingungen haben als
diejenigen, die seit Jahrzehnten einen Investitionsstau von sich herschieben.


Klar ist auch, dass die Kommunen vom Bund erhebliche Mittel für Kinderbetreuung in
Sachen U 3 und Ganztagsschulen bekommen haben und bekommen werden. Klar ist
aber auch, dass wir als Land unsere rechtlichen Verpflichtungen erfüllen werden, die
die Verfassung vorgibt: Das Konnexitätsprinzip gilt. Wir sollten aber vermeiden, dass
Kommunen unter Berufung auf die Schulstrukturreformen Rechnungen an das Land
schicken, die bei näherem Hinsehen gar nicht durch die neuen Schulformen verur-
sacht worden sind.


Das Land leistet mit seinem Schwerpunkt ,,Sicherung der Unterrichtsversorgung"
einen großen Beitrag. Das schlägt sich nieder in 675 neuen Lehrerstellen im Jahr 2009
und weiteren 255 im Jahr 2010, und auch in dem Fonds von über 12 Mio.  zur Ver-
meidung des Unterrichtsausfalls. Ich weiß, dass hier in der Feinsteuerung noch man-
cher Verdruss auszuräumen ist, es bleibt aber ein enormer Kraftakt.


Bildung ist zu wichtig, um damit politische Ränke zu schmieden. Wir haben viel vor in
unserem Land: Das können wir nur gemeinsam ­ Land und Kommunen - schaffen. Die
Kommunen als Schulträger sollten ebenso wie das Land ihre Prioritäten so setzen,
dass Kinder faire Bildungschancen haben und später einen fairen Start ins Berufsle-
ben.


Wer Schwerpunkte setzt, muss sich darüber klar sein, dass andere Dinge dann nur in
geringerem Maß gefördert werden können. Das Vorziehen von Bildung im Sinne der
Priorität Nr. 1 hat Posterioritäten zur Folge; dies ist ein lateinisches Stiefgeschwister-
wort, das fast niemand kennt und niemand liebt.

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Wir sprechen heute über einen Landeshaushalt von rund 12 Mrd. Euro, davon eine
Milliarde und 50 Millionen Euro allein für Zinsen im Jahr 2009; 2010 werden es noch
mehr sein.


Ich bin, wie Sie wissen, kein Anhänger eines absoluten Verschuldungsverbots. Eine
schlichte Selbstfesselung von Parlamenten ist ein Armutszeugnis für unsere Verant-
wortungsbereitschaft und beschleunigt nur den Ansehensverlust der Politik. Ein Staat
muss in der Lage sein, notwendige Zukunftsaufgaben zu finanzieren und auf konjunk-
turelle Schwankungen zu reagieren. Wenn die Zinsen jedoch, wie im Haushalt von
Schleswig-Holstein, so hoch sind, dass sie den Haushaltsgesetzgeber knebeln, gibt es
dringenden Handlungsbedarf. Das Haushaltsdefizit Schleswig-Holstein hat viel mit
strukturell bedingten geringeren Einnahmen und strukturell bedingten Mehrausgaben
zu tun. Das sind mehrere hundert Millionen Euro, die andere Länder für Lehrer und
Polizisten einsetzen können. Deswegen ist es richtig, dass Schleswig-Holstein in der
Föderalismuskommission darauf dringt, dass diese strukturellen Nachteile mit soli-
darischer Hilfe bei unseren Altschulden ausgeglichen werden.


Aber ich sage auch: Wenn wir Solidarität von anderen erwarten, müssen wir selbst un-
sere Hausaufgaben machen und Einsparungen dort erwirtschaften, wo es sinnvoll
ist und uns niemand daran hindert. Wir können nicht mit weniger Bildung oder weniger
innerer Sicherheit solche Strukturdefizite ausgleichen. Das wäre politisch absolut ver-
antwortungslos und kontraproduktiv. Dazu reicht die SPD-Fraktion nicht die Hand.


Bei Bürokratieabbau und Posten, da können wir schon sparen. Schleswig-Holstein
hat mit der Verwaltungsstrukturreform hier einen richtigen Weg beschritten. Davon
sollten wir nicht abrücken. Wenn wir nicht einmal diese Reform bewältigen, werden wir
uns schwer tun, uns als zukunftsfähiges und entscheidungsfähiges Land zu präsentie-
ren. Die Reform auf Ämterebene hat bewiesen, dass das geht ­ 15 Mio Euro mindes-
tens jährlich mehr in den kommunalen Kassen. Leicht war das nicht, aber es ging. Ich

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habe Respekt vor der Tatkraft von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern.
Das erwarte ich von der Kreisebene nach wie vor ebenso. Ich weiß, dass das nicht
einfach ist. Auch in der SPD ist das mehr ein Kopf- als ein Herzthema.


Aber wenn wir den Willen haben, Einsparungen zu maximieren und nicht zu minimie-
ren, wie wir das in der Koalition glasklar vereinbart haben, dann ist viel mehr möglich
als neuerliche Rechnungen uns weismachen wollen. Der damalige Innenminister ­ ich
kenne ihn persönlich ganz gut ­ hat Potenziale errechnen lassen, die von mehreren
Gutachten unabhängig voneinander eindeutig bestätigt worden sind, ja sogar als vor-
sichtig galten und in anderen Ländern ­ ob in CDU- oder SPD-Verantwortung ­ auch
erreicht worden sind. Je mehr man jedoch die Annahmen verändert und Reformgeg-
nern Konzessionen macht, desto geringer werden die Potenziale. Ich hoffe und erwar-
te, dass beide Partner dieser Regierungskoalition die Kraft haben, diesen 4. Schwer-
punkt der Regierungspolitik neben Arbeit, Bildung und Haushaltskonsolidierung nicht
leichtfertig zu opfern; die Rechnung dafür müssten die Bürgerinnen und Bürger dieses
Landes bezahlen. Es kann doch nicht sein, dass wir am Widerstand von Parteifunktio-
nären scheitern. Die SPD-Fraktion erwartet, dass unsere bestehenden Vereinbarun-
gen eingehalten werden, zumal wir im Dezember mit dem Kompromiss zur Revisions-
klausel in Sachen Kooperation statt Fusion, wenn mehr dabei herauskommt, weit auf
unseren Koalitionspartner zugegangen sind.


Wenn wir diese Effizienzreserven nicht heben und wenn wir daran scheitern sollten,
frische, bürgernahe und moderne Verwaltungen einzuziehen, werden wir es sehr
schwer haben, von den anderen Ländern bei der Föderalismusreform zusätzliche Un-
terstützung einzuwerben. Wenn das so käme, würden wir unsere Verantwortung für
dieses Land grob verletzen. Und ich sage Ihnen auch, ein Scheinreförmchen, das uns
wegen des Mehrfach-Neugliederungsverbots über Jahrzehnte in die Sackgasse führt,
wird es mit der SPD nicht geben.

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Die Modernisierung der Justiz, wie sie Justizminister Döring mit der Verlagerung von
Aufgaben an die Gerichte weiterführt, sollte beispielhaft sein für weitere Modernisie-
rungsmaßnahmen. Eine Verlagerung von Aufgaben auf andere Ebenen ist dann
richtig, wenn die Aufgaben dort insgesamt effizienter, bürgernäher und wirtschaftlicher
durchgeführt werden können, das will dieser Landtag seit fast 20 Jahren.


Wir werden sehr deutlich zeigen müssen, dass wir Prioritäten setzen können und dass
wir unsere Hausaufgaben machen ­ bei der Verwaltungsstruktur ebenso wie bei den
Fördermaßnahmen des Landes. Das bedeutet für uns auch, dass ­ ich möchte das
sehr deutlich sagen ­ Struktur- und Zukunftsentscheidungen Vorrang haben ge-
genüber Einzelfall-Gefälligkeiten, beispielsweise bei der einzelbetrieblichen Förderung.
Wir müssen uns sehr genau ansehen, welche Auswirkungen die einzelnen Förderun-
gen haben, wie unser Land, wie das Schleswig-Holstein von morgen aussieht. Ob
Spaßbäder, das x-te Gewerbegebiet oder die Strandpromenade oder auch nur Bierfla-
schenverschlüsse und neue Autobahnschilder für die Imagewerbung ­ wir müssen
Nachhaltigkeit zum Maßstab machen, mögen die Fördermaßnahmen auch noch so
schöne Etiketten tragen.


Es geht quer durch alle Themen von Bildung bis Wirtschaft für uns Sozialdemokratin-
nen und Sozialdemokraten, um Gerechtigkeit und um Nachhaltigkeit. Jede Förde-
rung, jede Maßnahme wird sich daran messen lassen müssen, in wie weit sie den Zie-
len der Gerechtigkeit und der Nachhaltigkeit genügt, und zwar in sozialer Hinsicht, in
Bezug auf Arbeitsmarkteffekte und ebenso in ökologischer und in finanzieller.


Gerade in einer Haushaltsdebatte, wo es natürlich um die enormen Aufwendungen in
unseren Sozialetats geht, stellen wir Sozialdemokraten fest: Wir dürfen nicht auf
kurzfristige Profitmaximierung und auf prekäre Arbeitsverhältnisse wie schlecht bezahl-
te Leih- und Zeitarbeit setzen. Denn wir haben sonst mittel- und langfristig hohe ge-
sellschaftliche Reparaturkosten zu zahlen. Für gute Arbeit muss es daher einen fairen

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Lohn geben. Das ist nicht nur gerecht, sondern: Wer das nicht will, erhöht die Staats-
quote für Sozialleistungen ­ übrigens langfristig, denn wer heute nicht ordentlich be-
zahlt wird, muss morgen die Rente aus Sozialleistungen aufstocken. Das ist nicht
Marktwirtschaft, nein, es ist geradezu die Aufforderung an Unternehmen, Dumpinglöh-
ne zu zahlen. Deshalb werden wir Sozialdemokraten bei Mindestlohn und Tariftreue
nicht locker lassen.


Armut ist ein dramatisches soziales Problem, nicht nur für die Betroffenen, sondern für
die gesamte Gesellschaft. Daher setzen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokra-
ten natürlich weiter auf guten Lohn für gute Arbeit, auf tarifliche und wenn nötig gesetz-
liche Mindestlöhne, auf eine qualifizierte Bildung und Ausbildung und auf faire Chan-
cen für alle.


Faire Chancen zu bieten beinhaltet, dass Vielfalt in Schleswig-Holstein großen Raum
einnimmt. Wer sich Diskriminierung leistet, verzichtet dagegen auf erhebliche Potenzi-
ale in der Gesellschaft. Die meisten großen Unternehmen haben die enormen Folge-
kosten von Diskriminierung erkannt und haben große Anstrengungen unternommen,
um die Potenziale aller Beschäftigten in ihre Wertschöpfung einzubeziehen. Auch für
das gesellschaftliche Zusammenleben gilt, dass es deutlich besser funktioniert, Unter-
schiedlichkeit wertzuschätzen als sie zu bekämpfen.


Wir in Schleswig-Holstein haben langjährige positive Erfahrung mit Vielfalt.
  Wir haben nach dem Ende von Diktatur und Faschismus Millionen Flüchtlinge integ-
  riert.
  Wir betreiben seit 1988 eine sehr moderne Politik der Gleichstellung von Frauen
  und Männern.
  Unsere nicht minder moderne Integrationspolitik für und mit Menschen mit Migrati-
  onshintergrund umfasst vorschulische Sprachförderung ebenso wie die Integration
  in den Arbeitsmarkt und Migrationssozialberatung.

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  Unser Zusammenleben mit Menschen mit Behinderung ist durch Partizipation ge-
  prägt, dafür stehen wir mit der Stelle des Behindertenbeauftragten, mit Barrierefrei-
  heit im öffentlichen Raum und mit der Verlagerung der Eingliederungshilfe auf die
  Kommunen, die Unterstützung aus einer Hand anbieten können.
  Wir haben frühzeitig eine weitgehende Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Le-
  benspartnerschaften im Landesrecht umgesetzt.
  Und wir profitieren seit vielen Jahren gegenseitig intensiv vom Zusammenleben mit
  der friesischen Volksgruppe und mit der nationalen dänischen Minderheit und haben
  eine vorbildliche Minderheitenpolitik etabliert, die sich auch im Landeshaushalt er-
  kennen lässt.


Die dänische Minderheit hat in Schleswig-Holstein eine besondere Stellung und dazu
stehen wir. Wir stehen auch bei der Politik für dänische Schulen dazu, was vereinbart
wurde. Hierzu besteht im Rahmen der Haushaltsberatungen noch Gesprächsbedarf,
denn wir sind dort seit 2005 im Wort, dass wir das in diesem letzten Doppelhaushalt
für diese Legislaturperiode regeln wollen.


Wir sollten unsere Aufgaben als Parlament ernst nehmen. Dazu gehört auch, dass wir
diejenigen sind, die über den Landeshaushalt beschließen und die die Arbeit der Re-
gierung kontrollieren. Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Flexibilität wer-
den wir uns in den Haushaltsberatungen auch mit der Frage zu beschäftigen haben,
ob es tatsächlich sinnvoll ist, die Deckungsfähigkeit innerhalb des Haushalts weiter zu
erhöhen.
Hier bedarf es einer sorgfältigen Abwägung der Argumente, die wir in den nächsten
Monaten leisten werden, bevor wir den Haushalt für die nächsten beiden Jahre im De-
zember beschließen. Mir ist allerdings wichtiger, dass wir Einfluss bekommen auf die
Priorisierung, die Auswahl von Förderprojekten und über Evaluationen, als über
einzelne Haushaltstellen nur einen Scheineinfluss wahrzunehmen,

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Dem Personal des Landes haben wir in den letzten Jahren viel zugemutet. Ohne die
Beiträge, die die Beamtinnen und Beamten und die Angestellten des Landes geleistet
haben, wäre es nicht gelungen, den Anstieg der Neuverschuldung zu bremsen und
Verwaltungsmodernisierungen einzuleiten. Beschäftigte des Landes mussten auf Son-
derzuwendungen verzichten, ihre Arbeitszeit wurde verlängert und sie stehen gleich-
zeitig in der ersten Reihe, wenn es darum geht, die Herausforderungen von Umstruk-
turierungen zu bewältigen. Ich nenne hier nur beispielhaft die Veränderungen bei der
Polizei und die neue Software mit den geänderten Verfahren bei den Finanzämtern.


Gerade wegen der starken Beteiligung der Beschäftigten an den Veränderungen in der
Verwaltung ist es richtig, wenn Justizminister Döring den einfachen Dienst in den Ge-
richtsverwaltungen abschaffen und die Stellen heben will. Es ist auch richtig, zusätzli-
che Stellen für Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger sowie Staatsanwälte zu schaffen
und es ist richtig, dafür Sorge zu tragen, dass unsere Polizei gut und modern ausges-
tattet ist und bleibt. Öffentliche Sicherheit ist auch eine Frage der Gerechtigkeit und es
bleibt bei unseren Zusagen, was den Stellenbestand im Vollzugsdienst der Landespo-
lizei und das Personalentwicklungskonzept für die Polizei betrifft.


Und es ist richtig, die Ausbildung in der Verwaltung fortzuführen, wie es beispiels-
weise in der Finanzverwaltung erfolgt. Wir haben uns in den zurückliegenden Jahren
dafür eingesetzt und werden es auch in diesem Jahr wieder tun.


Im Bereich der Umwelt- und Landwirtschaftspolitik geht es uns um die Zukunft der
ländlichen Räume, die Natur und Umwelt sowie um die Eine-Welt-Politik ­ z.B. das
freiwillige ökologische Jahr - des Landes. Wir werden uns in den Ausschussberatun-
gen noch ein genaues Bild verschaffen, ob diese für die Zukunft unseres Landes wich-
tigen Themen tatsächlich noch ausreichend mit Haushaltsmitteln ausgestattet sind.

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Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen Innovation und Gerechtigkeit
und wir wollen Nachhaltigkeit als Grundlage unserer Haushaltspolitik, und wir wollen
beides in sozialer, finanzieller und ökologischer Hinsicht. Wer nicht an die Zukunft
denkt, der wird bald große Sorgen haben, sagte Konfuzius, (551 - 479 v. Chr.) ­ und
da hat er Recht.


Wir tun gut daran, nicht nur den Blick, sondern auch unserer Schritte in diese Richtung
zu lenken. Wir werden uns in diesen Haushaltsberatungen dafür stark machen, dass
Bildung unsere allererste Priorität bleibt, damit die Kinder von heute gute Chancen
in der Welt von morgen haben.


Auch bundesweit tut sich einiges - wer weiß, was beim Bildungsgipfel herauskommen
wird. ,,Zukunftsforschung ist die Kunst, sich zu kratzen, bevor es einen juckt", sagte
einst Peter Sellers. Ich glaube, dass wir mit unseren Schulreformen gut davor sind,
dass wir mit dem Schwerpunkt Bildung in diesem Haushalt die richtigen Weichen stel-
len und das wir auch in der Kinderbetreuung den richtigen Weg einschlagen werden
und schon auf das bundespolitische Kratzen vorbereitet sind.
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