Bildleiste
Der Landtag Schleswig Holstein
 
 
SH-Landtag 
Presseticker 
[alle Meld.
[Archiv
[akt. Jahr
[Abo
[Suche
Abos 
Login 
ParlaTV 
Termine 
Suche 
ParlaNet 

 

Presseticker > alle > 2008 > September > 10 > 15:44

Lars Harms zu TOP 16 - Versenken von Felsblöcken im "Sylter Außenriff"

Portable Document Format ist das Original der Pressemitteilung Weitere Formate: formatierter Text, Fliesstext und Layout

Presseinformation


Kiel, den 10.09.2008


Es gilt das gesprochene Wort




Lars Harms




TOP 16                  Versenken von Felsblöcken im ,,Sylter Außenriff"
                             16/2
                        Drs. 16/2217


Mit dem Versenken von Felsblöcken vor dem Sylter Außenriff, hat Greenpeace wieder einmal ein

gutes Gespür für einen PR-Auftritt gehabt. Aber unabhängig davon, wie man zu dieser Aktion

steht, ist es Greenpeace gelungen, auf eine seit langem bekannte Problematik im

Zusammenhang mit der Schleppnetzfischerei und dem Sand- und Kiesabbau in dem

Schutzgebiet hinzuweisen.



Angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um ein Natura 2000 Gebiet handelt, ist es nicht in

Ordnung, dass Fischtrawler mit ihren Schleppnetzen den Boden durchpflügen und schwere

Saugbagger dort Sand- und Kiesabbau betreiben. Dies sind Eingriffe in geschützte Lebensräume,

die nicht hinnehmbar sind, da diese Art der wirtschaftlichen Nutzung dem Schutzziel

entgegenwirkt. Die Bundesrepublik Deutschland hat bereits vor vier Jahren das Gebiet als

                                                  2

Natura-2000-Gebiet bei der Europäischen Union gemeldet. Dass derartige Nutzungen weiterhin

stattfinden, lässt einen dann doch wundern. Schließlich beinhaltet die Ausweisung ein

Verschlechterungsverbot. Soll heißen, dass Lebensraumgebiete von negativen menschlichen

Einwirkungen unbeeinträchtigt bleiben müssen. So viel zum grundsätzlichen Anliegen von

Greenpeace.



Wenn wir aber ein Verschlechterungsverbot für das Gebiet haben, gilt dies nicht nur im

Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Nutzung. Alle negativen menschlichen Einwirkungen ­

also auch das Versenken von Felsblöcken ­ fällt aus unserer Sicht hierunter. Wenn Greenpeace

tonnenschwere Felsblöcke ins Meer wirft, ist dies ein Eingriff in den Lebensraum, der nicht

akzeptabel ist. Hier wird der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben. Das macht die Aktion von

Greenpeace nicht besser und ist daher nicht hinnehmbar.



In solchen Fällen stellt sich dann die Frage, welche rechtlichen Möglichkeiten hat der Staat, um

gegen solche Aktionen vorgehen zu können? Wir wissen, dass es eine rechtswidrige Handlung

nach dem Hohe-See-Einbringungsgesetz ist und Greenpeace bereits ein Ordnungsgeld in Höhe

von 50.000  angedroht wurde. Angesichts der Gesamtsumme der Maßnahme, wirkt das

Ordnungsgeld jedoch wenig abschreckend. Wenn es um die Verklappung, Entsorgung von Öl

oder wie in diesem Fall das versenken von Felsblöcken geht, haben wir bereits häufig festgestellt,

dass die Ordnungsgelder wenig abschreckend sind.



Was wir brauchen, ist eine klare rechtliche Regelung, die das Sylter Außenriff wirklich schützt.

Denn scheinbar ist es nicht genug, wenn das Gebiet als Natura-2000-Gebiet gemeldet ist. Die

Bundesregierung muss ihre Hausaufgaben machen und die nationale Unterschutzstellung

endlich durchführen. Erst dann haben wir ein Instrument, das das Riff wirklich schützt.



Die Aktion von Greenpeace ist aus Sicht des SSW aus mehreren Gründen nicht hinnehmbar. Zum

einen stellt es einen Eingriff in den Lebensraum dar, zum anderen werden dadurch aber auch

                                                 3

Fischer in ihrer Ausübung behindert, die eventuell nicht zu denen gehören, die Greenpeace mit

ihrer Aktion treffen will. Wenn Greenpeace wirklich etwas erreichen will, um auf die Zerstörung

des Sylter Außenriffs aufmerksam zu machen, dann hätten sie andere Wege einschlagen

müssen, als den von ihnen gewählten Weg.



Durch den nun von Greenpeace gewählten Weg, droht die Akzeptanz vor Ort verloren zu gehen.

Denn die Schleppnetzfischerei ausländischer Trawler wird gerade auch an der Westküste mehr

als kritisch gesehen und auch der Kiesabbau im Meer wird unterschiedlich diskutiert. Durch ihre

undurchdachte Aktion hat sich Greenpeace eines natürlichen Bündnispartners beraubt: nämlich

der lokalen Bevölkerung. Wenn Greenpeace diesen Bündnispartner zurückgewinnen will, muss

es die Aktion einstellen und Aktionen wählen, die deutlich machen, wer der wirkliche

Verursacher von Schäden ist. Auf jeden Fall können wir hier als Landtag nicht illegale Aktionen

gutheißen ­ auch nicht, wenn sie von Greenpeace kommen.
  • Twitter
  • Facebook
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg