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Presseticker > alle > 2008 > September > 10 > 16:06

Monika Heinold zur HSH-Nordbank

Portable Document Format ist das Original der Pressemitteilung Weitere Formate: formatierter Text, Fliesstext und Layout

PRESSEDIENST                                             Fraktion im Landtag
                                                         Schleswig-Holstein
                                                         Pressesprecherin
Es gilt das gesprochene Wort                             Claudia Jacob
                                                         Landeshaus
TOP 17B - HSH-Nordbank                                   Düsternbrooker Weg 70
                                                         24105 Kiel

Dazu sagt die finanzpolitische Sprecherin                Telefon:    0431 / 988-1503
                                                         Fax:        0431 / 988-1501
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:
                                                         Mobil:      0172 / 541 83 53
Monika Heinold:                                          E-Mail:     presse@gruene.ltsh.de
                                                         Internet:   www.sh.gruene-fraktion.de



HSH-Nordbank muss sich wieder                            Nr. 323.08 / 10.09.2008

auf ihr Kerngeschäft besinnen

Meldungen vom Montag haben uns aufgeschreckt: Die HSH-Nordbank will sich aus bis-
herigen Geschäftsfeldern zurückziehen, das Neukundengeschäft soll reduziert werden,
und der Abschreibungsbedarf für 2008 ist bereits auf die astronomische Summe von ü-
ber 500 Millionen Euro gestiegen!

Und es sollen alleine in Schleswig-Holstein ca. 200 Arbeitsplätze abgebaut werden, von
denen heute noch niemand sagen kann, ob das ­ auch angesichts der überwiegend jun-
gen MitarbeiterInnen ­ sozialverträglich, also ohne Kündigungen, umgesetzt werden
kann.

Was wird die nächste Nachricht sein? Weitere Abschreibungen bis hin zu realen Verlus-
ten? Ein Einbruch der Dividende, also ein Minus im Landeshaushalt in Millionenhöhe?

Wie konnte es dazu kommen, dass sich die HSH-Nordbank ­ eine öffentlich-rechtliche
Bank zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft ­ auf den internationalen Finanzmärk-
ten derart falsch positioniert hat und Immobilienfondspapiere gekauft hat, welche sich
nun als hoch riskant erweisen?

Ich bin immer skeptisch, wenn der Landtag scheibchenweise und bruchstückhaft infor-
miert wird. War für den Finanzminister und den Vorstandsvorsitzenden, als sie erst vor
wenigen Monaten im Parlament für eine Kapitalaufstockung geworben haben, schon klar,
was die nächste Botschaft sein wird?

Auch die zeitliche Abfolge stimmt uns skeptisch. Schließlich ist das Land durch die Um-
wandlung der stillen Einlagen inzwischen mit 29 Prozent an der Bank ­ und damit auch
an Verlusten ­ beteiligt.

Bisher hat meine Fraktion immer zur HSH-Nordbank und ihrem Geschäftsmodell gestan-
den: Das Land braucht sie, zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft, die Bank spielt
mit ihrem regionalen Engagement eine große Rolle für die Strukturpolitik des Landes.

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Und meine Damen und Herren, die Bank ist mit 1.700 Beschäftigten einer der größten
ArbeitgeberInnen in Schleswig-Holstein. Wenn sich eine öffentlich-rechtliche Bank aber
zu einem Global Player entwickelt, der sich in verlustreiche Immobiliengeschäfte in New-
York verstrickt, dann hat das mit den Aufgaben einer öffentlich-rechtlichen Bank nichts
mehr zu tun!

Weder Landesregierung noch Landtag können diese Geschäfte, bei denen sich auch
hochbezahlte Bankprofis verspekuliert haben, kontrollieren ­ es ist auch nicht ihre Auf-
gabe. Und dennoch: Das Interesse der Landes, dass die Geschäfte der Bank gut laufen,
ist extrem hoch, fließen durch unsere Beteiligung an der Bank jährlich rund 50 Millionen
Euro in den Landeshaushalt. Zumindest steht das so im Haushaltsplan. Noch!

In den letzten Jahren hat sich die Bank Stück für Stück in die globalisierte Finanzpolitik
eingemischt ­ wir müssen jetzt leider feststellen, dass ihr das nicht gut getan hat.

Meine Fraktion hat diese Entwicklung sehr kritisch beurteilt. Jetzt, wo der Ausflug in die
große weite Welt schief gegangen ist, müssen die Beschäftigten die Suppe auslöffeln,
wie immer in solchen Krisen. Das ist mehr als bitter.

Dass die HSH-Nordbank die Verkündigung dieser schlechten Nachricht auch noch mit
der Überschrift ,,HSH-Nordbank stärkt Finanzkraft" versieht und mit dem ersten Satz in
der Pressemitteilung betont, dass die Bank im ersten Halbjahr einen Überschuss von fast
130 Millionen Euro erwirtschaftet hat, macht die Beschäftigten zu Recht wütend!

Es wird höchste Zeit, dass sich die HSH-Nordbank wieder auf ihr Kerngeschäft besinnt:
Regionale Anbindung, klar definierte Geschäftsfelder und Marktführerschaft in zukunfts-
trächtigen Bereichen. Schleswig-Holstein, Hamburg und der Sparkassenverband haben
sich mit der Haltevereinbarung verpflichtet, dass die Anteile der öffentlichen Hand bis
2013 nicht unter 51 Prozent sinken. Das Land hat die Bank erst vor wenigen Monaten mit
einer erheblichen Kapitalaufstockung unterstützt.

Die internationale Finanzmarktkrise ist noch lange nicht vorbei, ein Verkauf der Immobi-
lienpapiere in der jetzigen Situation wäre extrem verlustreich.

Deshalb haben wir nur eine Möglichkeit: Gemeinsam mit den anderen Anteilseignern
muss es gelingen, die Bank wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Spekulationen mit
kaum einschätzbaren Immobilienfonds dürfen nicht mehr vorkommen, denn für die Ver-
luste zahlen die Beschäftigten und der SteuerzahlerInnen.

Die Landesregierung muss ein effektives Controlling sicherstellen: Aufsichtsratssitzungen
sind hochverantwortliche Veranstaltungen und keine Kaffeekränzchen. Und der Vorstand
der Bank und die Landesregierung müssen das Parlament zeitnah und vollständig infor-
mieren und uns reinen Wein einschenken.

Ich frage die Landesregierung: Seit wann wissen Sie von dem letzten Freitag beschlos-
senen Maßnahmenpaket? Wussten sie es schon, als sie im Finanzausschuss für die Ka-
pitalaufstockung der Bank geworben haben? Ich fordere die Landesregierung auf, diese
Frage noch heute zu beantworten.


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