Presseinformation Es gilt das gesprochene Wort TOP 45 ­ Zielvereinbarungen zwischen dem Land und den Hochschulen Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: 0431 / 988 - 1503 Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Angelika Birk: Zielvereinbarungen ermöglichen kein ordnungsgemäßes Studium Nr. 439.08 / 12.12.2008 Stellen Sie sich vor, Sie wollen den Führerschein machen. Nur weil sie ein sehr gutes Abitur haben, konnten Sie unter vielen Fahrschulen in ganz Deutschland in Schleswig-Holstein einen Platz ergattern, aber schon bei den Theoriestunden müssen Sie immer stehen, weil es so überfüllt ist: Hunderte in einem engen Raum. Das Tafelbild ist unleserlich, der Fahrlehrer nuschelt unverständlich, aber wehe, Sie fehlen mehr als einmal ohne ärztliches Attest, dann fliegen sie raus. Und gleich nach wenigen Wochen gibt es eine Prüfung. 60 Prozent fallen durch, man darf sie wiederholen, wieder 60 Prozent fallen durch. Jetzt nehmen die Verbliebenen teuren Nachhilfeunterricht, denn wenn sie die nächste Prüfung vermasseln, sind sie in ganz Europa gesperrt, so wird es behauptet, und erhalten nie den Führerschein. Und dann endlich die Fahrstunden. Nach einem halben Jahr erst haben Sie für diese Praxisübung die Erlaubnis erhalten. Weil noch so viele vor Ihnen waren, haben Sie ein halbes Jahr verloren, obwohl es doch strenge Vorschriften gibt, in welcher Zeit Sie die ganze Sache abgeschlossen haben müssten. Eigentlich wollen Sie auch mit dem Führerschein ins Ausland. Der gilt international, zumindest in Europa und USA - wurde ihnen versichert. Aber dann stellen Sie fest, der gilt noch nicht einmal in der Nachbarstadt, geschweige denn in England, wo sei eigentlich hinwollten. Wie viele Leute würden unter diesen Bedingungen den Führerschein schaffen? Aber das sind exakt die Bedingungen, unter denen heute junge Leute an unseren Hochschulen, beispielsweise Mathe, Physik, Medizin, Wirtschaft, Jura, und Lehramt studieren müssen. Seite 1 von 2 Deshalb hat der Landtag auf die Verbesserung der Lehre in seinem Antrag zu den Zielvereinbarungen großen Wert gelegt. Dieser Antrag ist auf unsere Anregung hin zustande gekommen. Wir wollten zwar noch viel mehr Regeln und Anstöße zur Veränderung der Kapazitätsverordnung geben, die die Relation zwischen Studierendenzahl und Lehrendenanforderung, aber wenigstens hat die Koalition einige Punkte unseres Antrages aufgegriffen. Wir werden die Zielvereinbarungen ablehnen, denn sie erfüllen die Anforderungen des Landtages nicht und das heißt, sie ermöglichen kein ordnungsgemäßes Studium. Weder sind globale Ziele, die Abstimmung der Hochschullandschaft mit ihren Profilen klar daraus zu erkennen, noch sind Details verbindlich geregelt. Zum Beispiel, um beim obigen Thema zu bleiben, hätte geregelt werden müssen, wie die hohen Durchfallquoten in bestimmten Fächern durch Verbesserung der Lehre in drei Jahren auf die Hälfte gesenkt werden. Die meisten Studierenden müssen heute für den Lebensunterhalt in erheblichem Umfang selbst sorgen und haben Familie. Deshalb sind die Regelstudienzeiten, die durch die Bachelor-Master-Regelung auch überflüssig sind, obsolet. Faktisch studieren die meisten in Teilzeit. Dieser Tatsache trägt die Organisation der Lehre in keinster Weise Rechnung. Im Gegenteil, in Kombination von Bachelor, Master und Regelstudienzeit wurde ein enges Zeitkorsett geschnürt. Nur in ganz wenigen Passagen der Zielvereinbarungen finden sich Passagen, dass einzelne Studiengänge auch in Teilzeit einzurichten sind. Unsere Haushaltsanträge mit einem Innovationsfonds für die Verbesserung der Lehre wurden am Mittwoch abgelehnt. Ebenso unser Antrag, mit einer Million Euro zusätzlich die Universität Flensburg zu unterstützen, um dort wenigstens eine ordnungsgemäße Verwaltung und Bibliothek zu sichern. Diese Universität, die viele innovative Ansätze realisiert hat und grenzüberschreitend vorbildlich mit Dänemark zusammenarbeitet, wird von der Landesregierung aufs Spiel gesetzt und damit das Zentrum für die Lehrebildung des Landes und ein innovativer Standort der Forschung und Lehre für die Fächerverbindung Wirtschaft und Energietechnik. Wir lehnen die Zielvereinbarungen entschieden ab. Mit den Zielvereinbarungen lässt das Land die Hochschulen im Stich. *** 2