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Kiel, den 17. Dezember 2009
Es gilt das gesprochene Wort
Lars Harms
TOP 15 Finanzielle Situation der Schleswig-Holsteinischen
Kommunen
Drs. 17/72
Wir können uns alle schnell darüber einig werden, dass die finanzielle Situation der Schleswig-
Holsteinischen Kommunen katastrophal ist. Nicht zuletzt die November-Steuerschätzung hat
dies noch einmal deutlich gemacht. Die Schätzungen für das Land fallen einigermaßen neutral
aus, für die Kommunen wird 2009 dagegen ein Minus von 8% und damit 264 Millionen Euro
weniger erwartet. Auch in 2010 geht es weiter bergab, mit einem Minus von 6,1% gibt es noch
einmal 184 Millionen Euro weniger. Verschärfend kommt zu dieser Situation hinzu, dass ab 2011
die Zuweisungen aus dem Finanzausgleich zurückgehen und dass das geplante
Wachstumsbeschleunigungsgesetz die Kommunen zusätzlich belastet.
Die interessante Frage ist angesichts dieser Zahlen, was die Landesregierung tut, um den
Kommunen zu helfen. ,,Die Kommunen sind die Keimzelle der Demokratie", schreiben CDU und
FDP in ihrem Koalitionsvertrag. Als Keimzelle der Demokratie sollten wir sie dann auch ernst
nehmen, und nicht wie es die Landesregierung derzeit tut; nämlich als Blutegel, die auch noch
den letzten Cent aus den kommunalen Haushalten saugen.
2
Aus Sicht des SSW stehen den Kommunen zur Erfüllung ihrer Aufgaben Gelder zu. Wenn das
Land Jahr für Jahr in den kommunalen Finanzausgleich eingreift, werden den Kommunen
daher Gelder weggenommen, die ihnen zustehen. Rot-Grün hat dies getan, Schwarz-Rot hat
dies getan und derzeit deutet nichts darauf hin, dass Schwarz-Gelb von dieser unseligen
Tradition absehen wird.
Für den SSW gilt nicht nur, dass wir die Keimzellen der Demokratie ihrer Bedeutung
entsprechend finanziell ausstatten müssen. Für uns gilt auch, dass wir dringend eine
Neuordnung des kommunalen Finanzausgleichs brauchen. Momentan ist der Finanzausgleich
wenig transparent und kaum durchschaubar. Das System kann niemand mehr erklären; nur
noch jeweils Teilbereiche sind für Fachleute verständlich. Mit einer Neuordnung würde daher
nicht nur ein Entbürokratisierungsgewinn einhergehen. Eine Neuordnung hätte auch den
Vorteil, dass die Kommunen endlich Klarheit darüber hätten, welche Aufgaben sie erfüllen
müssen und was ihnen dafür zusteht insgesamt wäre endlich eine zukunftssichere Planung
möglich.
Aus Sicht des SSW geht eine verbesserte finanzielle Situation der Kommunen auch mit einer
strukturellen Veränderung einher. Wir brauchen eine Reform der kommunalen Ebene, die
diesen Namen auch verdient und endlich größere Kommunen schafft, die eigenständig
handeln können. Gleichzeitig muss mit dieser Strukturreform außerdem eine Entlastung der
Kommunen von Aufgaben, Standards und bürokratischen Hemmnissen einhergehen, damit
endlich die Haushalte konsolidiert und Defizite abgebaut werden können.
Die Grünen fragen in ihrem Berichtsantrag danach, welche Gemeinden, Städte und Kreise
Probleme damit haben, ihren Haushalt für 2010 genehmigungsfähig zu gestalten. Viel
interessanter ist aus unserer Sicht, welche keine Probleme haben. Die Handlungsfähigkeit der
Kommunen ist schon lange nicht mehr gesichert.
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So lange das Konnexitätsprinzip aber nicht voll und tatsächlich gilt, wird es hier kaum
Verbesserungen geben. Daher gilt für den SSW auch, dass die Kommunalaufsicht unbedingt
die Belastungen aus dem Konjunkturpaket II bei Fehlbedarfszuweisungen berücksichtigen
muss. Die Kofinanzierung des Konjunkturpakets durch die Kommunen ist eine notwendige
Belastung. Eine Nicht-Berücksichtigung würde zu Zwei-Klassen-Kommunen führen: Die einen
können sich Konjunkturpakete leisten, die anderen eben nicht. Dies gilt es unbedingt zu
verhindern. Nicht nur die Starken müssen gestärkt werden, gerade auch die schwachen
Kommunen brauchen unsere Unterstützung.
Bisher hat die Landesregierung noch keine konkreten Aussagen darüber gemacht, wie die
finanzielle Situation der Kommunen verbessert werden soll. Zwar steht im Koalitionsvertrag
drin, dass die Kommunen zur Erledigung der Selbstverwaltungsaufgaben eine stabile und
angemessene finanzielle Ausstattung benötigen. In der Antwort auf die Kleine Frage der
Grünen sagt die Landesregierung aber auch, dass es gut sein kann, dass die Kommunen
weitere finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen, wenn dadurch die negativen
Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise eingedämmt werden können. Dass die
Landesregierung daher fröhlich vorweihnachtlichen Steuergeschenken zustimmt, die die
Kommunen zusätzlich schwächen, überrascht also nicht mehr. Die Kommunen haben vor
diesem Hintergrund definitiv nichts Gutes von der neuen Landesregierung zu erwarten.