Presseinformation der SPD-Landtagsfraktion Kiel, 18.03.2010 Landtag aktuell Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn TOP 26, Sachstand Hochbegabtenförderung (Drucksache 17/373) Detlef Buder: Die wichtigste Förderung ist binnendifferenzierender Unterricht Wie sich die Zeiten ändern: Vor sechs Jahren hatte der Kollege Dr. Klug noch beantragt, an jeder Vorschule, jeder Grundschule und jeder weiterführenden Schule besondere Fördergruppen für besonders begabte Kinder einzurichten, die wöchentlich oder im Blockunterricht zusätzliche Bildungsangebote bereithalten sollten. Und Sie hatten damals gefordert, diese Fördergruppen in besondere Schulklassen für Hochbegabte umzuwandeln. Heute backt der Minister Dr. Klug kleinere Brötchen. An elf Schulen werden Kompetenzzentren für Begabtenförderungen eingerichtet. Dafür gibt es 5.000 pro Schule, zusätzliche Qualifizierungsangebote und noch eine Wundertüte mit Unterrichtsmaterial im Wert von rund 1.000 . Es liegt mir fern, das dahinter stehende Problem zu verharmlosen. Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer besonderen Begabung unterfordert sind, genauso zu Schulversagern werden können wie Schülerinnen und Schüler, die dauerhaft überfordert sind. Wir wissen nicht, von wie vielen jungen Menschen wir überhaupt reden; 2008 hat die damalige Landesregierung in ihrer Antwort auf eine Große Anfrage der CDU bei dieser Frage auch gepasst. Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de -2- § 4 macht die bestmögliche individuelle Förderung unter Wahrung des Gleichberechtigungsgebotes zum Kernauftrag der Schule. Unter sozialdemokratischer Regierungsverantwortung wurde darum eine große Zahl an Fördermaßnahmen geschaffen, die zum Teil schulartunabhängig und zum Teil an die jeweilige Schule angebunden durchgeführt wurden. Ich verweise hierzu auf die Antwort auf die erwähnte Große Anfrage. Weder Zusatzkurse noch die Möglichkeit, eine Jahrgangsstufe zu überspringen, sind etwas Neues. Auch die Kooperation mit Hochschulen, Schülerakademien und im Einzelfall Frühstudien sowie die Teilnahme an Mathematik-Olympiaden, an ,,Jugend forscht" und anderen bundesweiten Wettbewerben gehören zum Standardrepertoire der Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher. Insofern haben wir mit Ihren Kompetenzzentren keine Probleme. Wir hätten aber dann Probleme, wenn die Perspektive des Bildungsministeriums darin bestehen sollte, eigenständige Hochbegabtenklassen oder sogar eigene Schulen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Begabungen einzurichten. Das wäre pädagogisch falsch und bildungsökonomisch Geldverschwendung. Die wichtigste Förderung ist nach unserer Überzeugung die im binnendifferenzierenden Unterricht. Der ist nicht von selbst zu erreichen. Natürlich müssen die Lehrerinnen und Lehrer in der Aus- und Fortbildung nicht nur in die Lage versetzt werden, Hochbegabungen zu diagnostizieren, sondern damit auch pädagogisch umzugehen. In einem solchen Unterricht liegen große Chancen für die weitere Entwicklung der Schule weg vom lehrerzentrierten Frontalunterricht. Viele Pädagogen sind davon überzeugt, dass Klassenkameraden viel effizientere Lehrer sind als derjenige, der vor der Klasse herumsteht. Hochbegabte Schülerinnen und Schüler müssen Spielräume haben, um ihre Kompetenzen zu zeigen und für ihre Mitschüler nutzbar zu ma- -3- chen; zugleich aber müssen sie soziale Kompetenz lernen, wann es richtig ist, sozusagen Führungsaufgaben wahrzunehmen, und wann es richtig ist, sich zurückzunehmen, um die anderen nicht an die Wand zu spielen. Wir sind davon überzeugt, dass die in der Vergangenheit bereits unternommenen Anstrengungen in der Ausbildung der angehenden Lehrer fortgesetzt und verstärkt werden müssen. Wir sollten den Bericht der Landesregierung im Bildungsausschuss vertieft diskutieren.