Presseinformation Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Es gilt das gesprochene Wort! TOP 39 ­ Kulturwirtschaftsbericht Dazu sagt der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: 0431 / 988 - 1503 Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Robert Habeck: Nr. 357.10 / 17.06.2010 Das Land muss ein kreatives Milieu schaffen, um Kreative zu halten Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, der Bericht der Landesregierung lässt wiederum eine Chance ungenutzt, so etwas wie eine ­ ,,Vision" mag man schon gar nicht mehr sagen ­ Zielvorstellung darzustellen, wie und wohin es mit der Kulturwirtschaft geht. Unter dem Strich stellt er fest, dass es zwar nicht besonders gut um die Kulturwirtschaft im Land steht, aber man damit zufrieden sein muss. ,,Die oben mitgeteilten Zahlen für Schleswig-Holstein belegen, dass im Land ein begrenztes Potenzial im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft besteht. ... Für die Entwicklung neuer Förderinstrumente für die Kultur- und Kreativwirtschaft besteht in Schleswig-Holstein kein Bedarf." Die Zahlen sagen allerdings genau das Gegenteil. Bei den prozentualen Anteilen der Beschäftigten liegt das Land im Bundesdurchschnitt, beim Umsatz knapp drunter, wobei Städte wie Berlin ja den Schnitt gehörig nach oben ziehen. Gerade im Bereich Designwirtschaft hat das Land offenbar Potenzial. Das Problem mit diesem Bericht ist, dass er das speziell Kulturelle an der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht erkennt. Er beschreibt diese Branche wie produzierendes Gewerbe. Und tatsächlich ­ bei solch einem betriebswirtschaftlichen Verständnis hat das Land an seinem Förderinstrument kaum etwas nachzubessern. Seite 1 von 2 Allein, Kulturwirtschaft entsteht nicht durch einzelbetriebliche Förderung. Sie ist sehr kleinteilig aufgestellt. Fünf Leute tun sich zusammen und gründen eine Agentur ­ die werden sich die Haare ausraufen, wenn sie die Liste ihrer Förderinstrumente vorgelegt bekommen. Dafür haben sie sicher keinen Kopf - weil sie ja mit dem Kopf arbeiten. Sie brauchen vielleicht auch mal einen Kleinkredit, aber ganz sicher keinen Maschinenpark, keine Tausende von Euros, dafür Netzwerke. Die Förderinstrumente müssen so sein wie die Branche, kreativ. Etwa wie das House of Design in Kolding, wo Kreative zusammengebracht werden durch die Möglichkeit von Zwischennutzungen leer stehender Gebäude, durch die Organisation von Marktplätzen, wo Wirtschaft und Kultur Tauschverhältnisse eingehen, wodurch VermittlerInnen, SponsorInnen und Kreative zusammengebracht werden. Kulturwirtschaft ist nicht zentralistisch ­ das ist ihr Charme und das ist die Grenze dieses Berichts. Er hat das Problem und die Herausforderung nicht auf den Schirm. Man muss den Kreativen nur Raum lassen ­ sie können ihn dann schon gut füllen. Wir müssen ein kreatives Milieu schaffen, durch Hochschulen und kulturelle Vielfalt. Und eben das tun wir nicht. Wir bilden, zum Beispiel an der Kieler Muthesius Kunsthochschule, genau die Leute aus, die solch ein Milieu schaffen würden ­- KommunikationsdesignerInnen, IndustriedesignerInnen; Interior DesignerInnen; freie KünstlerInnen - aber nur fünf Prozent dieser Leute bleiben im Land. 20 Menschen aus einer Klasse ­ und einer bleibt. Und viele von ihnen, die heute führende Designagentur-BetreiberInnen sind, wurden hier in Kiel ausgebildet. Aber die Rendite streichen andere Länder ein. Und jetzt die typische de Jager-Frage a la Medizinausbildung: Wozu leistet sich das Land eine Kunsthochschule, wenn die Leute nicht im Land bleiben? Ich würde so fragen wollen: Wenn das Land so ein Pfund hat, warum wuchert es dann nicht damit? Warum erkennt die Landesregierung den Brain-Drain, den intellektuellkreativen Verlust an Zukunft des Landes nicht? Weil sie selbst, ich zitiere, ,,ein begrenztes Potenzial" besitzt. *** 2