FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1 Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Katharina Loedige, MdL Stellvertretende Vorsitzende Nr. 430/2010 Kiel, Mittwoch, 17. Oktober 2010 Günther Hildebrand, MdL Parlamentarischer Geschäftsführer Es gilt das gesprochene Wort! Medienkompetenz Ingrid Brand-Hückstädt: Neue Medien sind unverzichtbarer Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft In ihrer Rede zu TOP 9 (Medienkompetenz in der Informationsgesellschaft) sagte die medienpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Ingrid Brand-Hückstädt: ,,1972 wurde in Vietnam ein schreiendes, nacktes Mädchen fotografiert. Es läuft frontal auf den Betrachter zu, man hört es praktisch schreien. Es läuft weg vor Soldaten mit Gewehren. Dieses Bild ging um Welt. Es ist manipuliert. Es wurde von einem Redakteur beschnitten, denn rechts standen andere Fotoreporter, die gerade den Film wechselten. Das Mädchen rückte dadurch in den Mittelpunkt des Bildes und es wurde der Eindruck vermittelt, als liefe es um sein Leben und solle erschossen werden. Die Bildunterschrift in der New York Times lautete, dass südvietnamesische Truppen ein eigenes Dorf bombardiert hätten ­ was wohl der Wahrheit entsprach, denn die amerikanischen Truppen waren zu dem Zeitpunkt schon raus aus Vietnam. Trotzdem wurde dieses Bild in den folgenden Jahren, insbesondere im amerikanischen Wahlkampf, benutzt mit der Argumentation, wenn die Amerikaner nie in Vietnam gewesen wären, hätte es den Napalmangriff nie gegeben. Später wurde dieses Bild immer dann verwendet, wenn man die kriegerische Intention der Amerikaner an den Pranger stellen wollte. Man sieht: in der Medienwelt ist vieles relativ ­ manchmal sogar die Wahrheit. Diese zu finden, Manipulation durch Bilder, Worte, Geschichten Frank Zabel, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: info@fdp.ltsh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ www.fdp-sh.de Sperrfrist: Redebeginn 2 und Gerüchte zu erkennen, ist Aufgabe von Medienkompetenzvermittlung ­ nicht mehr und nicht weniger. Wir sind längst über die Schwierigkeiten einer rein technischen Anwenderkompetenz hinaus und so wie wir akzeptieren, dass manche wissen, wie ein Auto funktioniert, die meisten anderen es aber nur benutzen, muss uns klar sein, dass manche wissen, wie ein Computer funktioniert, die meisten von uns die Medien aber nur nutzen und sich freuen, wenn das Gerät morgens wie das Auto wieder anspringt. Wer ist denn für die Vermittlung von Medienkompetenz eigentlich zuständig? Ich nehme an, dass die Grünen und die Linken in ihrer als Fürsorge getarnten Freiheitsfeindlichkeit für den einzelnen auch hier den Staat auffordern werden, tätig zu werden und Geld in die Hand zu nehmen, was wir nicht haben. Aber es geht nicht hauptsächlich um Geld. Übergeordnetes Ziel der Vermittlung von Fähigkeiten und Kenntnissen im Umgang mit Medien ist nach Auffassung der FDP der selbstbestimmte und aufgeklärte Nutzer. Jeder hat individuelle Ansprüche und Hintergründe für die Nutzung der Medien. Der Staat hat sicherzustellen, dass er die Chancen und Potentiale aller Medien für jeden Bürger nutzbar macht und nicht beschränkt und dass jeder wenigstens sicher sein kann, dass es nicht der Staat ist, der Bilder, Berichte oder Worte manipuliert. Die Damen und Herren der Linken wissen an dieser Stelle hoffentlich, was ich meine! Der Landesregierung, insbesondere dem Ministerium für Bildung und Kultur, ist zu danken für die ausführliche Beantwortung der von der SPD gestellten Fragen zur Informationsgesellschaft. Ich kann allerdings eine gewisse Verwunderung über dieses plötzliche Interesse der SPD an diesem Thema nicht verhehlen: in den 20 Jahren, während das Bildungsministerium von Ihrer Partei geführt wurde, wusste man offenbar nicht, was das eigentlich ist. Man hat sich also lieber nicht damit befasst und jegliche Initiativen im Keim erstickt. Das ist heute unter der CDU/FDP-Regierung Gott sei Dank anders. Das ,Netzwerk Medienkompetenz Schleswig-Holstein', dem neben zahlreichen bereits seit Jahren bestehenden Initiativen und Institutionen, vom Offenen Kanal über die Verbraucherzentrale bis zur Aktion Kinder- und Jugendschutz auch die beiden Ministerien Bildung und Soziales angehören, wird das auf die Beine stellen, was unter einem SPD geführten Bildungsministerium nicht ging: die vielfältigen bestehenden Angebote, wie sie sich auch deutlich aus der Beantwortung der Fragen ergeben, endlich zu bündeln und damit zielgruppenorientiert und unter der Nutzung von Synergieeffekten Angebote vor Ort, für Kinder und Jugendliche, Eltern und Lehrer, aber auch die Angebote für Arbeitnehmer und für die Bevölkerungsgruppe mit höherer Altersstruktur verdichten und verstärken, was die FDP ausdrücklich begrüßt. Wir halten es aber auch für dringend erforderlich, dass die Ausbildung der Lehrer im Hinblick auf Medienkompetenz angepasst wird. Ebenso halten Frank Zabel, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: info@fdp.ltsh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 3 wir es für erforderlich, bei der Überarbeitung der Lehrpläne für alle Schulen Medien-Module verbindlich festzuschreiben und das Thema nicht der Freiwilligkeit der Lehrer zu überlassen. Medienkompetenz muss den gleichen Stellenwert wie das ABC bekommen. Für die Zukunft brauchen wir eine ganzheitliche Betrachtung für Medienkompetenzvermittlung. Dazu gehört die Fähigkeit zur kritischen Reflexion der Inhalte und Informationen im Netz, sorgfältiger Umgang mit eigenen Daten und Respekt im Umgang mit Daten anderer ebenso wie die Fähigkeit zum Erkennen von Grenzen. Ganz wichtig erscheint uns aber, dass das Thema Medienkompetenz versachlicht wird. Weder ist das Internet von Kriminellen Pädophilen durchsetzt noch ist wirklich erwiesen, dass Jugendliche durch Computerspiele grundsätzlich gewaltbereiter werden. Eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit den neuen Medien würde nicht nur der Politik gut tun, sondern auch dazu beitragen, die neuen Medien als das zu sehen, was sie sind: unverzichtbarer Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft." Frank Zabel, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: info@fdp.ltsh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/