Marlies Fritzen zur norddeutschen Hafenkooperation und zur Elbvertiefung

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Presseinformation


                                  Landtagsfraktion
                                  Schleswig-Holstein
                                  Pressesprecherin
Es gilt das gesprochene Wort!                                   Claudia Jacob
                                  Landeshaus
TOP 23 + 33 ­ Norddeutsche Hafenkooperation                     Düsternbrooker Weg 70
                                  24105 Kiel
und Elbvertiefung
                                  Telefon: 0431 / 988 - 1503
                                  Fax: 0431 / 988 - 1501
Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin                       Mobil: 0172 / 541 83 53
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,                             presse@gruene.ltsh.de
                                  www.sh.gruene-fraktion.de
Marlies Fritzen:
                                  Nr. 044.12 / 26.01.2012



Wir brauchen Kooperation statt Konkurrenz

Immer höher, immer weiter, oder wie in diesem Fall immer tiefer ­ das ist die fatale Spi-
rale scheinbar grenzenlosen Wachstums, der heiligen Kuh, die CDU und FDP immer
noch anbeten. Aber der Konkurrenzkampf der Küstenhäfen bietet keine ökonomische
Perspektive für die Zukunft. Er verlagert die gewaltigen Kosten auf kommende Genera-
tionen.

Elbvertiefung, die Neunte, heißt das aktuelle Stück. Und wenn man ehrlich wäre, müss-
te das Drehbuch für die zehnte Folge bereits geschrieben werden. Schiffe mit bis zu
14.90 Meter Tiefgang können die Elbe bereits heute schon, wenn auch tideabhängig
befahren.

Für die nächste Generation moderner Containerschiffe reicht die geplante Vertiefung al-
lerdings bei weitem nicht aus. Immer größer, immer schwerer, immer breiter und tiefer
werden auch die Schiffe und sie werden zu groß für die Elbe.

Und immer teurer wird es, die Fahrrinne auszubauen. 180 Millionen waren ursprünglich
veranschlagt, 385 Millionen schätzt man heute. Dabei sind Ausgleichsmaßnahmen und
der von den LandnutzerInnen in Niedersachsen, den ViehhalterInnen und ObstbäuerIn-
nen im Alten Land verlangte Bau von Süßwasserspeichern noch nicht eingerechnet.

Bis zu 600 Millionen könnte das am Ende kosten. Hinzu kommen Unterhaltungsmaß-
nahmen, die sich schon heute auf jährlich rund 50 Millionen Euro belaufen. Alles, was
mit Elbe anfängt, gerät in Hamburg kostenmäßig aus dem Ruder.

Mit diesen gigantischen Summen soll das ,,Tor zur Welt" offen gehalten werden, das
schon heute eher ein Nadelöhr ist.

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Nein, statt die Elbe zu vertiefen muss sich Hamburg eine neue ökonomische Perspekti-
ve als bedeutende Hafenstadt geben.

Statt der Entwicklung immer hinter her zu hinken ­ größere Schiffe, tiefere Elbe ­ muss
sich Hamburg auf den Weg machen und gemeinsam mit anderen Hafenstandorten ko-
operieren. Deutschlands Tiefwasserhafen mit Zukunft ist der Jade-Weser-Port in Wil-
helmshaven.

Er liegt direkt an der Küste. Dorthin können auch die neuen riesigen Containerschiffe
mit einem Ladevolumen von 18.000 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, ein Maß für Ka-
pazitäten von Containerschiffen und Hafenumschlagsmengen) fahren. In den Hambur-
ger Hafen gelangen diese Schiffstypen auch nach der Ausbaggerung nicht.

Die Elbe ist kein Schifffahrtskanal, kein technisches Bauwerk, das man beliebig anpas-
sen und umformen kann. Der Naturraum Unterelbe ist ein komplexes und einzigartiges
Ökosystem, durch die in und am Gewässer lebenden Arten, seine Gezeitendynamik
und seine Bedeutung als Biotopverbundachse. Er ist daher zu Recht als FFH-
Lebensraum ausgewiesen mit der gesetzlichen Verpflichtung, ihn wieder in einen guten
ökologischen Zustand zu versetzen.

Eine erneute Elbvertiefung passt nicht in dieses Konzept. Sie wird im Gegenteil einen
enormen Bedarf an Ausgleichsflächen bringen. ,,Landfraß" gegen den sich der Bauern-
verband als erster empören sollte!

Dabei sind bereits die bisherigen Ausbauten nicht ausgeglichen. Die Maßnahme an ei-
ner Nebenrinne des Mühlenberger Lochs ist wieder verschlickt und damit faktisch als
Ausgleich nicht vorhanden. Ausgleichsflächen für die nun geplante Vertiefung sind nicht
in Sicht.

Die Unterelberegion ist bereits jetzt durch die vorhandene Industrie, durch Eindeichung
und andere Eingriffe in die Dynamik des Flusssystems stark in Mitleidenschaft gezogen.
Es muss endlich ein Umdenken erfolgen.

Wir sagen nicht ,,nein" zu wirtschaftlicher Entwicklung, wir sagen ,,nein" zu den Konzep-
ten von gestern. Aus ökonomischen wie ökologischen Gründen fordern wir Grünen seit
langem eine verstärkte Kooperation der deutschen Seehäfen.

Kleinstaatlicher Wettbewerb um die größten Schiffe passt nicht mehr in die Zeit. Wir
brauchen Kooperation statt Konkurrenz. Jetzt ist der Zeitpunkt, damit endlich zu begin-
nen.

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