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Presseticker > alle > 2012 > Januar > 27 > 15:25

Martin Habersaat zu TOP 27: Schlechtes Schauspiel ist für unsere Schulen zu wenig!

Portable Document Format ist das Original der Pressemitteilung Weitere Formate: formatierter Text, Fliesstext und Layout

Es gilt das gesprochene Wort!

                                                                                   Kiel, 27. Januar 2012



TOP 27: Defizite bei der Bildungsqualität abbauen (Drucksache 17/2156)




Martin Habersaat:

Schlechtes Schauspiel ist für unsere Schulen zu wenig!



Heute werden in Schleswig-Holstein die Zeugnisse vergeben. Teil der Notenfindung ist heute
in der Regel ein Gespräch mit den Schülern über ihre Selbsteinschätzung. Insofern hinken wir
ein wenig hinterher, wenn wir den Bildungsminister heute fragen, wie er seine eigene
Leistungsbilanz sieht. ,,Das Ergebnis meines Vorstoßes war nicht so, wie gedacht." ­
Immerhin. Den Schulen wurden zu viele Lehrerstellen gestrichen. Selbstkritisch.

Der heutige Bericht: Die Selbsteinschätzung kann auch immer nur ein Teil der Notenfindung
sein, anhand möglichst objektiver Bewertungskriterien muss ihr auch eine Außensicht
gegenübergestellt werden. Wenn Herr Kubicki heute vom shz zitiert wird, die Schau um die
zusätzlichen Lehrerstellen sei eine ,,stümperhafte Inszenierung", müssen wir wohl davon
ausgehen, dass die Noten im Darstellenden Spiel keinesfalls ausreichend sind.

Wenn der Ministerpräsident und sein Kabinett den Bildungsminister auffordern, zum Ende der
Legislaturperiode einmal herauszufinden, wie die Lage an den Schulen ist, der
Bildungsminister dann nachforscht und sieht, er hat den Schulen zu viele Lehrerstellen
gestrichen, und seinem Kabinett Verbesserungen vorschlägt, und der Ministerpräsident
mitteilt, wieder shz-Zitat: ,,Ich werde einen Teufel tun", dann sagt uns das zweierlei:

1. Dieser Bildungsminister wird nicht versetzt.

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2. Der CDU ist die Lage an den Schulen völlig egal.

Aber über das christdemokratische bildungspolitische Fähnlein im Wind haben wir hier
verschiedentlich schon gesprochen.

Wie ist denn die Lage an den Schulen? Die Gymnasien durften sich zwischen Y, G8 und G9
entscheiden, das Ministerium setzt alle Beteiligten erst unter Zeit- und dann generell unter
Druck. Nun laufen Gerichtsverfahren (Beispiel: Wentorf), es gibt Zoff vor Ort und überwiegend
an den Küste G9-Gymnasien, die nicht mehr mit den anderen Gymnasien im Land kompatibel
sind.

Den Gemeinschaftsschulen wurde die Hälfte ihrer Differenzierungsstunden gestrichen.
Gleichzeitig erhielten sie das Danaergeschenk, ihre bisherigen pädagogischen Konzepte in
die Tonne treten zu dürfen. Das Ergebnis wieder: Zoff vor Ort. Natürlich wünschen sich viele
ehemalige Realschullehrer Realschulklassen zurück, wenn die Differenzierungsstunden
gekappt werden. Aber jedem im Saal ist hoffentlich aufgefallen: An den ehemaligen
Gesamtschulen gibt es diese Diskussion nicht.

Ein weiterer Blick würde sich lohnen auf den Bereich des Unterrichtsausfalls: Eltern
empfinden eine Stunde als ausgefallen, wenn der zuständige Fachlehrer sie nicht gibt. Aus
der Sicht des Klassenlehrers war ich immer dann zufrieden, wenn zumindest ein anderer
Fachkollege aus der Klasse die Stunde geben konnte oder die Klasse mit einem ohnehin
laufenden Projekt oder Wochenplan beschäftigt war. Tatsächlich taucht eine Stunde nicht
einmal dann als ausgefallen in der Statistik auf, wenn die Schüler mit spontanen
Hausaufgaben heimgeschickt werden. Diese Statistik werfe ich nicht der amtierenden
Landesregierung vor. Mein Vorschlag ist aber: Wenn wir über Lehrerstellenbedarf reden,
sollten wird diesen Bereich ebenso ansehen wie die 100%-Versorgung der Schulen, bevor wir
uns neue Aufgaben ausdenken.

Und dann sollten wir einmal wirklich über pädagogische Konzepte sprechen: Wie
verbessern wir die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern? Wie führen wir jede
und jeden zum bestmöglichen Abschluss? Und wie schaffen wir es, dass junge Menschen

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unsere Schulen verlassen, die zuversichtlich Verantwortung für sich und andere übernehmen
können?

Nicht jede Maßnahme der Landesregierung war diesen Zielen dienlich. Zur schwarz-gelben
Bilanz gehören auch:

   ·   der Bruch des Schulfriedens durch die Änderung des Schulgesetzes von 2007
   ·   die Wiedereinführung der obligatorischen Elternbeteiligung an den
       Schülerbeförderungskosten
   ·   die ausgebliebene Reform der Lehrerbildung
   ·   Kürzung der Zuschüsse für die dänischen Schulen
   ·   der vorübergehende Stopp beim Umbau der Realschulen
   ·   der Abbau der Weiterbildung
   ·   der glücklicherweise zurückgezogene ,,Psycho-Erlass"
   ·   der Arbeitszeiterlass, der nur am 1. April 2010 gültig war
   ·   die monatelange Hängepartie beim Gastschulabkommen mit Hamburg (damals noch
       nicht vom ,,bösen" Olaf Scholz regiert)

   Manch einer erinnert sich vielleicht noch an Zeiten, als Wolfgang Kubicki dem damaligen
   Hamburger Bildungssenator Lange (FDP) in einem Brief unter anderem die folgenden
   freundlichen Zeilen zudachte: ,,Die öffentliche Meinung darüber, dass Sie als
   verantwortlicher Senator für Bildung und Sport einer faktischen Verringerung der Stellen
   für Lehrerinnen und Lehrer in Hamburg zugestimmt haben, hat in der Landtagsfraktion und
   im Landesverband der FDP Schleswig-Holstein nicht nur Verwunderung, sondern
   Verärgerung ausgelöst." Herr Kubicki fürchtete damals, die FDP könne auf ihrem
   ,,Kompetenzfeld Bildung" Schaden nehmen und warf Lange vor, der FDP die Früchte ihrer
   Arbeit zu zerstören.

   Herr Klug, Herr Kubicki: Haben Sie in den letzten Wochen eigentlich Post von Frau Suding
   bekommen? Was Herr Kubicki damals von Herrn Lange auch forderte, war ein ,,Zeichen
   von Durchsetzungsfähigkeit und Kraft." Mit dem Männermut hat Herr Dr. Klug am letzten
   Wochenende ja schon angefangen.

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Wenn nun klar ist, dass die Schulen so dringend mehr Lehrer brauchen, dass die
Veröffentlichung dieser Erkenntnis nicht einmal bis zur nächsten Sitzung des
Koalitionsausschusses warten kann, dann ist tatsächlich Männermut gefragt. Und ein
Minister, der das für richtig Erkannte durchsetzt. Ich sage es auch mit Schiller: ,,Wenn der
Leib in Staub zerfallen, lebt der große Name noch." Schiller wusste aber auch: ,,Dem
Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze." Meine Damen und Herren von CDU und FDP:
Schlechtes Schauspiel ist für unsere Schulen zu wenig!
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