Presseinformation Es gilt das gesprochene Wort! TOP 34, 35, 63 ­ Initiative für das Ehrenamt Dazu sagt für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: 0431 / 988 - 1503 Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Andreas Tietze: Nr. 279.12 / 27.04.2012 Engagement darf nicht zur Plage werden Ehrenamtlichkeit ist in Schleswig-Holstein ein Maß für unsere Bürgergesellschaft: sie zeigt an, ob diese funktioniert und ein gutes Miteinander besteht. Immer weniger Menschen haben jedoch die Zeit, sich für ein Ehrenamt zu engagieren und schon Wilhelm Busch schrieb in einem Gedicht zum Ehrenamt: ,,Willst Du froh und glücklich leben, laß kein Ehrenamt dir geben! Willst du nicht zu früh ins Grab lehne jedes Amt gleich ab!" Ich hoffe sehr, dass die vielen Ehrenamtlichen in Schleswig-Holstein eine andere Erfahrung machen. Bürgerschaftliches Engagement trifft als Thema einen Nerv, weil es Bürgerinnen und Bürger persönlich betrifft. Es ist sehr eng verbunden mit den großen Fragen, die uns herausfordern und beschäftigen: Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Wie können und sollen sich Einzelne in die Gesellschaft einbringen? Staat, Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürger ­ wer muss und wer sollte in der Gesellschaft was leisten? Meine Fraktion ist der Auffassung, dass der Staat Förderer, Begleiter, Unterstützer und Dienstleister für das Ehrenamt sein soll. Wir sollen Alltagsprobleme lösen und nicht neue Probleme verursachen. Insofern begrüßen wir es sehr, dass wir fraktionsübergreifend einen gemeinsamen Ansatz gefunden haben, dem alle Fraktionen des Landtages zustimmen. Handlungsbedarf besteht bei Erleichterungen bei der Steuer- und Sozialversicherungspflicht, bei einer Vereinheitlichung der Einkommenssteuerfreibeträge, bei einer verSeite 1 von 2 stärkten Internetwerbung, einer zentralen Anlaufstelle für Ehrenamtliche in der unkompliziert geholfen wird. Alles Dinge, die lange gefordert wurden und nun ihren politischen Niederschlag gefunden haben. Aber es war auch ein Minimalkonsens: es fehlen Anreizprogramme für MigrantInnen, kostenlose Kinderbetreuungsangebote für alleinerziehende Mütter oder Förderprogramme. Programme zum Beispiel für die kostenlose Nutzung des ÖPNV für die freiwillige Feuerwehr in Uniform oder Jugendliche mit der Juleica. Hier brauchen wir weitergehende Förderschwerpunkte der öffentlichen Hand, um das bürgerschaftliche Engagement voranzubringen. Ehrenamtlichkeit braucht aber auch Hauptamtlichkeit. Deshalb war es falsch bei den Jugendbildungsreferenten zu sparen. Der Verlust an ehrenamtlicher Arbeit in der Jugendarbeit wird den Reparaturbetrieb Jugendhilfe verschärfen. Kosten fürs Ehrenamt sind hier Zukunftsinvestitionen. Freiwilliges Engagement entsteht ohne staatliches Zutun: Weil es Menschen gibt, die sich für die eigenen Belange und die anderer stark machen. Engagement lässt sich nicht verordnen. Es ist der freiwillige Beitrag jeder und jedes Einzelnen für die Gemeinschaft. Wir sind überzeugt, dass Ehrenamt Lebensqualität und sozialen Zusammenhalt schafft und die Zukunft unserer Gesellschaft sichert. Ohne dieses Engagement wären wir alle ärmer und deshalb hoffe ich, dass anders als in dem Gedicht von Wilhelm Busch es keine Plage wird, sich ehrenamtlich zu engagieren. In einer immer älter werdenden Gesellschaft geht es vor allem darum, gewonnene Lebenszeit sinnvoll zu nutzen. Dieser Zeit Sinn zu geben, wird eine Aufgabe des bürgerschaftlichen Engagements sein. *** 2