Presseinformation Es gilt das gesprochene Wort! TOP 20 ­ Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Bildungssystem Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: 0431 / 988 - 1503 Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Anke Erdmann: Nr. 281.12 / 27.04.2012 Guten Impulse nicht nur Körner auf dem Weltmeisterbrötchen, sondern als Hefe im Brot Egal wo Du geboren bist, egal welche Sprache Deine Eltern sprechen, komm ­ wir geben dir Rückenwind. Das soll unser Versprechen an alle Jungen und Mädchen in Schleswig-Holstein sein. Jedes fünfte Kind in Schleswig-Holstein hat einen Migrationshintergrund. Tendenz steigend: Bei den Kindern unter drei Jahren ist es jedes vierte Kind. Uns liegt die Antwort auf unsere Große Anfrage zum Thema Bildung und Migration vor. Danke ans Team im Bildungsministerium, das viele der Fragen so sorgfältig und differenziert beantwortet hat. Ich muss ich mich auf zwei Aspekte konzentrieren ­ Chancengerechtigkeit und Fachkräfte 1. Chancengerechtigkeit Die Bertelsmann-Stiftung hat Schleswig-Holstein gerade bescheinigt, bei der Durchlässigkeit im Schulsystem bundesweit in der schlechtesten Gruppe zu sein. Überdurchschnittlich viele Jugendliche mit Migrationshintergrund gehen bei uns auf die Haupt-/ bzw. Regionalschule, unterdurchschnittlich viele zum Gymnasium. Das finden wir vielleicht nicht überraschend, aber warum überhaupt? Schwenk in eine Schule: Dortmund, Grundschule Kleine Kielstraße. Das Umfeld: von Arbeitslosigkeit und Hartz IV geprägt. Achtzig Prozent der Jungen und Mädchen haben einen Migrationshintergrund. Schlechte Startchancen, also? Nein: Diese Schule scheint wie ein Trampolin zu funktionieren, die Bewegung ist aufwärts. Kein Kind dieser Schule Seite 1 von 2 geht später an eine Hauptschule, 44 Prozent aber schaffen den Sprung ins Gymnasium. 44 Prozent an dieser Schule ­ das entspricht ungefähr unserem insgesamten Landesdurchschnitt. Aber nur rund ein Viertel unserer Jugendlichen, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben oder nicht in Deutschland geboren sind, machen diesen Sprung. NRW und Schleswig-Holstein finden sich in der Tabelle des Bundesamtes für Statistik auf dem letzten und vorletzten Platz bei den Ausgaben pro SchülerIn wieder, dass macht einen Vergleich möglich. Was macht diese öffentliche Dortmunder Schule so erfolgreich? Während NRW 5.200 Euro an den allgemeinbildenden Schulen pro Kind und Jugendlichen ausgibt, sind es in Schleswig-Holstein 5.400 Euro ­ der Bundesdurchschnitt liegt bei 6.000 Euro. Was erfolgreiche Schulen in diesem Bereich anders machen, ist oft die Kunst individueller Förderung. Das wird uns nicht in den Schoß fallen. 2.) Fachkräfte Hier haben wir echten Nachholbedarf: Sie schreiben auf S. 28, dass PädagogInnen mit Migrationshintergrund oft einen besseren Zugang zu den Familien und Jugendlichen haben. Für Kita-Teams und Lehrkräften liegen uns dazu überhaupt keine Zahlen vor. Ein Blinder Fleck, den wir beleuchten sollten. Einzige Orientierung: Fünf Prozent unserer angehenden Kita-Fachkräfte haben einen Migrationshintergrund. Zu wenig, denn sie sind so wichtig: besonders für Rollenvorbilder, für die Elternarbeit, für Sprachkompetenz. Schwenk in die Praxis: Kiel-Gaarden, Kita Mosaik ­ drei Viertel der Kinder wachsen zwei- oder mehrsprachig auf. Hier wird konsequent auf Mehrsprachigkeit gesetzt, ein Drittel der Mitarbeiterinnen sprechen zwei oder mehrere Sprachen, haben selbst einen Migrationshintergrund. Ergebnis: gute Spracherfolge, intensive Elternarbeit und starke Kinder. Wenn die Kinder zählen, hört man viele Sprachen: Türkisch, Kurdisch, Russisch, Arabisch, Polnisch, und so weiter. Wenn die Kinder sich begrüßen, klingt es aber eher wie eine FLENS-Werbung: ,,Moin!" ,,Moin!" ,,Moin!". Um solche Kräfte müssen wir werben, für Schulen und Kitas. Darum noch eine grundsätzliche Bemerkung: Gerade im Bereich Bildung und Migration gehen viele gute Impulse von Stiftungen aus. Unsere Aufgabe ist, dass diese guten Impulse nicht die Körner auf dem Weltmeisterbrötchen bleiben, sondern zur Hefe im Brot werden. *** 2