K. Dolgner, B. Peters, P. Breyer, L. Harms: Schleswig-Holstein gegen Gesetzentwurf zurTelekommunikationsdatenabfrage

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                                                                            Pressesprecher_innen:
                                              Petra Bräutigam (SPD)
                                              Claudia Jacob (Grüne)
                                              Dr. Stefan Appelius (Piraten)
                                              Per Dittrich (SSW)


                                              Kiel, 10.12.2012



Kai Dolgner, Burkhard Peters, Patrick Breyer, Lars Harms:

Schleswig-Holstein gegen Gesetzentwurf der Bundesregierung zur
Telekommunikationsdatenabfrage

Schleswig-Holstein will im Bundesrat grundlegende Änderungen am umstrittenen Gesetzent-
wurf der Bundesregierung zur staatlichen Telekommunikations-Datenabfrage fordern. Die
Koalition aus SPD, Grünen, SSW hat sich mit den PIRATEN auf neun Forderungen zum
Schutz der Vertraulichkeit und Anonymität der Telekommunikation verständigt.[1] Dazu erklä-
ren die innenpolitischen Sprecher der Fraktionen, Dr. Kai Dolgner (SPD), Burkhard Peters
(Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Patrick Breyer (Piraten) und Lars Harms (SSW):

Nach dem Willen Schleswig-Holsteins muss der Ermittlung von Internetnutzern künftig regel-
mäßig eine richterliche Prüfung und Anordnung vorausgehen. Die Herausgabe von Zugangs-
sicherungscodes (wie Passwörter, PINs und PUKs) soll nur als letztes Mittel und nur unter
klaren, engen Voraussetzungen zugelassen werden, weil sie ,,den Zugriff auf weitere sensible
Inhalte der Telekommunikation und sogar weitere persönliche Inhalte wie Fotos, Tagebücher
und Dokumente" ermöglichten. Die Bürger sollen über staatliche Datenerhebungen nachträg-
lich benachrichtigt werden, damit sie beispielsweise ein offengelegtes Passwort wieder än-
dern können. Verschärfungsforderungen der Bundesratsausschüsse nach einer Ausweis-
pflicht für Handykarten oder einem Recht auf Änderung verschlüsselter Passwörter[2] soll
das Nordland ablehnen.

Schleswig-Holstein setzt sich mit dieser Position an die Spitze der politischen Kritik an dem
Gesetzentwurf von Innenminister Friedrich (CSU) zur Datenabfrage. Wirtschaftsverbände[3],

                                              -2-



der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung[4], das Unabhängige Landesdatenschutzzent-
rum[5] und der Deutsche Journalistenverband[6] warnen eindringlich vor dem Gesetzentwurf.
Am Freitag wird der Bundesrat über die Vorschläge seiner Ausschüsse und über den geplan-
ten Antrag der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung abstimmen. Hintergrund des Ge-
setzentwurfs ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das einer Verfassungs-
beschwerde des schleswig-holsteinischen Abgeordneten der PIRATEN Patrick Breyer gegen
die bisherigen Regelungen teilweise stattgegeben hatte.[7]



[1] https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl18/umdrucke/0400/umdruck-18-0487.pdf

[2] https://www.bundesrat.de/cln_236/nn_8336/SharedDocs/Drucksachen/2012/0601-
700/664-1-12,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/664-1-12.pdf

[3] http://www.eco.de/2012/news/tkg-aenderung-verfassungskonform.html

[4] http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/714/79/

[5] https://www.datenschutzzentrum.de/presse/20121127-tkg-aenderung.htm

[6] https://www.djv.de/startseite/profil/der-djv/pressebereich-info-
download/pressemitteilungen/detail/article/informantenschutz-in-gefahr-1.html

[7] http://www.daten-speicherung.de/index.php/telekommunikationsgesetz-verfassungswidrig-
beschwerdefuhrer-begrusen-urteil/