Volker Dornquast zu TOP 46: SPD, Grüne und SSW gehen rücksichtslos den Weg zu einer Einheitsschule weiter

Original der Pressemitteilung Weitere Formate: formatierter Text, Fliesstext und Layout

Bildungspolitik

Nr. 095/16 vom 18. Februar 2016

Volker Dornquast zu TOP 46: SPD, Grüne und SSW gehen
rücksichtslos den Weg zu einer Einheitsschule weiter

Es gilt das gesprochene Wort
Sperrfrist Redebeginn

Sehr geehrter Herr Präsident,
meine Damen und Herren,
sehr geehrte Frau Ministerin Ernst,

Sie legen hier einen sehr ausführlichen Bericht zur schulischen
Qualitätsentwicklung vor. Danke dafür ­ viel, sehr viel Theorie. Qualität kann
sich nur da entwickeln bzw. verbessern, wo effektive Strukturen bestehen und
entsprechend praktische Maßnahmen möglich sind. Bei all den beschriebenen
­ teils freiwilligen externen und internen Evaluationen bei Vergleichsarbeiten
und Lernstandserhebungen darf nicht vergessen werden, dass die
Hauptaufgabe der Schulen das Lernen, das Unterrichten der Schüler ist.

Bereits im Jahre 2012 hofften die Lehrer, Schüler und Eltern, dass endlich
Schulfrieden eintritt, dass die gesetzlich fixierten Strukturen nunmehr fest
seien und dass man mit der inhaltlichen Arbeit in Ruhe und längerer
Kontinuität beginnen könne. Doch weit gefehlt. Es begann eine neue
Strukturdiskussion. Zusammen mit der Neugestaltung der Lehrerausbildung
zum Einheitslehrer kommen Sie Ihrem obersten Ziel, der Einheitsschule,
immer näher. Schön für Sie, aber diese Politik geht am Willen der Eltern

                       Pressesprecher Dirk Hundertmark Landeshaus, 24105 Kiel
  Telefon: 0431 988-1440 Telefax: 0431-988-1443 E-Mail: info@cdu.ltsh.de Internet: http://www.cdu.ltsh.de



                                                               Seite 1/3

vorbei. Das hindert Sie aber nicht daran, Ihre ideologischen Ziele auf Biegen
und Brechen durchzusetzen, und das auf dem Rücken unserer Kinder. Darüber
hinaus wurden kleine, ja an manchen Stellen zu kleine Oberstufen an
Gemeinschaftsschulen genehmigt, ohne Rücksicht auf die benachbarten
Gymnasien und die Regionalen Berufsbildungszentren. Diese Entwicklung
wurde bei der Schaffung von zusätzlichen notwendigen Lehrerstellen nicht
ausreichend berücksichtigt. Insbesondere Ihre Zielvorgabe, die Zahl der
Abiturienten erheblich zu erhöhen, wurde bisher nicht mit den dafür
notwendigen Rahmenbedingungen begleitet. Es gab hierbei keine
Abstimmung mit unserem Handwerk, das dadurch natürlich in
Zukunftsprobleme bei der Nachwuchswerbung kam. Gleichzeitig mehrten
sich die Klagen der Hochschulen, dass die Studierfähigkeit der Abiturienten
sich weiter verschlechtert, und deshalb Überlegungen bestehen, dieses mit so
genannten Nullsemestern nachträglich herzustellen. Es kann doch aber nicht
die Aufgabe unserer Hochschulen sein, unsere Abiturienten fit für die Uni
zumachen. Auch hier scheint ein von der Regierung bisher nicht gelöstes
Problem zu bestehen. Wichtiger, als die Zahl der Abiturienten zu erhöhen, ist
das Ziel der größeren Chancengerechtigkeit in diesem Bildungsbereich zu
sein.

Sie stellen einleitend in Ihrem Bericht fest, dass sich die Leistungen der
Schüler deutlich verbessert haben. Leider geben Sie keine Nachweise für diese
Aussage. Meine Vermutung ist hier eine andere. (Reduzierung der
Leistungsanforderung und dadurch Steigerung der Abiturientenzahl).

Im letzten Jahr kamen mit den zahlreichen Flüchtlingskindern, für die
natürlich auch die allgemeine Schulpflicht gilt, neue sehr komplexe
Herausforderungen auf unsere Schulen zu. Nicht nur die
Schülerzahlprognosen der Vergangenheit wurden damit ausgehebelt, und
damit auch die Zahl der notwendigen Lehrerstellen, sondern auch die
besondere Situation mit den fehlenden Sprachkenntnissen und den
kulturellen Unterschieden machen besondere Kraftanstrengungen unserer
Schulen erforderlich. Sie beschreiben in Ihrem Bericht die Strukturen und die
Aufgaben der DaZ-Zentren. Natürlich ist es erforderlich, alles zu tun, damit
diese Situation nicht zu Lasten der Unterrichtsqualität (oder: insgesamt) geht.
Sie beschreiben weiter auch die Ausweitung der Inklusion mit den Folgen für
unsere Schulen.

Ob dafür die - verzögerte - Einstellung von Schulassistenten der ideale Weg
ist, möchte ich bezweifeln. Insbesondere auch, weil diese nicht
bedarfsgerecht, sondern nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Bis
heute gibt es keine klare Aufgabenbeschreibung. Besser wäre es gewesen, die
Finanzmittel, die hierfür verwendet werden, in die Stärkung des
pädagogischen Personals, insbesondere in Sonderpädagogen, zu stecken.


                                                Seite 2/3

Die Fehlstunden in unseren Schulen sind immer noch zu hoch. Es fehlt hier ein
Push gegen den Unterrichtsausfall, die Festlegung in der Statistik in Stunden
der Selbstbeschäftigung ist zwar interessant, aber kein geeignetes Mittel
gegen Stundenfehl. Sie beschreiben richtig die Schulprogramme als Basis für
die Weiterentwicklung der Schulen. Dafür müssen diese natürlich zeitgerecht
fortgeschrieben werden.
Wichtiger Bestandteil der Qualitätsvorgaben für unsere Schulen sind die
vorgegebenen Fachanforderungen für die verschiedenen Fächer und Stufen.
Hier ist eine stetige Aktualisierung an die modernen Entwicklungen
notwendig, wie sie beschreiben, sollen hier in diesem Jahr Schritte erfolgen.

Meine Damen und Herren,
ich möchte dieses Thema gerne im Ausschuss weiter diskutieren,
insbesondere auch die weitere Entwicklung des IQSH und somit die Qualität
der Lehrerfortbildung.




                                              Seite 3/3