Zuwanderungsbeauftragter: Möglichkeit der doppelten Staatsangehörigkeit für die in Deutschland Geborenen beibehalten

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Zuwanderungsbeauftragter: Möglichkeit der doppelten
Staatsangehörigkeit für die in Deutschland Geborenen beibehalten

Der Zuwanderungsbeauftragte des Landes, Stefan Schmidt, hält ein Festhalten an der
Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft für richtig - trotz der lautstarken
Unterstützung, die die autoritäre Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip
Erdoan von Teilen der in Deutschland lebenden türkischen Staatsangehörigen erhalten
hat.

,,Unabhängig davon, dass gar nicht bekannt und überprüfbar ist, ob die sogenannten
Doppelstaatler überwiegend für die Entwicklung der Türkei hin zu einem autoritären Staat
gestimmt haben oder dies überwiegend Menschen waren, die ausschließlich die türkische
Staatsangehörigkeit haben, darf dies nicht zu Lasten der in Deutschland geborenen Kinder von
Ausländern gehen", sagte Schmidt heute in Kiel.

Nach der aktuellen Rechtslage erhalten unter gewissen Voraussetzungen in Deutschland
geborene Kinder auch dann die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn die Eltern die deutsche
Staatsangehörigkeit nicht haben. Die Kinder wachsen dann mit zwei Staatsangehörigkeiten auf
und dürfen neben der Staatsangehörigkeit der Eltern die deutsche behalten, wenn sie mindestens
acht Jahre in Deutschland gelebt haben.

,,Wie viele dieser jungen Leute zwar hier leben aber für das Herkunftsland ihrer Eltern eine
Einschränkung demokratischer Rechte möchten, mag dahin gestellt sein und dürfte sich im
Nachhinein auch nicht aufklären lassen", sagte Schmidt. ,,Jedenfalls sollten diese jungen
Menschen, die ja einen starken Bezug zu Deutschland haben, nicht zuletzt auch durch ihren
Schulbesuch und die hier durchlaufende Ausbildung oder das Studium, nicht gezwungen werden,
sich für eine Staatsangehörigkeit zu entscheiden."

Grundsätzlich gehe er davon aus, dass es möglich und selbstverständlich sei, auch beim
Innehaben zweier und mehrerer Staatsangehörigkeiten dem deutschen Staat gegenüber loyal zu
sein und sich hier heimisch zu fühlen, so Schmidt.

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,,Im Übrigen ist es bei Staatsangehörigen aus anderen EU-Staaten aber auch aus vielen weiteren
Drittstaatlern selbstverständlich, dass diese, selbst im Falle der Einbürgerung, also wenn sie auf
eigenen Antrag die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten, die vormalige behalten dürfen", sagte
der Zuwanderungsbeauftragte. Der Ausgang des Referendums in der Türkei und das despotische
Verhalten der Regierungspartei AKP und deren Vorsitzenden dürfe nicht dazu genutzt werden, um
Stimmung gegen Türkeistämmige in Deutschland zu machen.