Heiner Dunckel: Erst evaluieren, dann entscheiden!

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                                                                               Kiel, 11. Oktober 2017
                                                       Nr. 283 /2017




Heiner Dunckel:

Erst evaluieren, dann entscheiden!
Zu Forderungen aus den Hochschulen, die Anwesenheitspflicht für Studierende bei
Lehrveranstaltungen wieder einzuführen, erklärt der hochschulpolitische Sprecher der SPD-
Landtagsfraktion, Prof. Dr. Heiner Dunckel:

Bei der Novellierung des Hochschulgesetzes Ende 2015 wurde auf Antrag der Küstenkoalition
nach langen Gesprächen beschlossen, dass für einen Teil der Lehrveranstaltungen eine strikte
Anwesenheitspflicht nicht mehr in den Prüfungsordnungen verankert werden soll. Das war nicht
als Einladung zum Faulenzen gemeint, sondern trug den veränderten Lebens- und
Studienbedingungen Rechnung, z.B. der Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft. Ein
Seminarschein sollte nicht allein deshalb verweigert werden, weil ein Studierender zweimal im
Semester mit einem kranken Kind zum Arzt muss und einmal selbst erkrankt ist.

Natürlich enthebt diese Regelung die Studierenden nicht von ihrer Verpflichtung, sich die Inhalte
der betreffenden Lehrveranstaltung anzueignen, wenn sie den Leistungsnachweis dafür erhalten
wollen ­ wir reden hier schließlich über erwachsene Menschen, die ein hohes Interesse an einer
hochqualifizierten Ausbildung haben.

Es gab auch Kritik an dieser Regelung. Wir haben deshalb immer gesagt, dass wir nach einigen
Jahren auswerten müssen, ob sich diese Flexibilisierung bewährt hat. Das kann nicht durch
Zuruf der Landesrektorenkonferenz geschehen, sondern setzt eine systematische Evaluation
unter Einbeziehung der direkt Betroffenen, also der Studierenden voraus. Es muss erst einmal
geklärt werden, welchen Einfluss die Abschaffung der Anwesenheitspflicht in (Pro-)Seminaren
auf die Leistungen und auf die Zahl der erfolgreichen Abschlüsse hatte.

Der Vorschlag, die Grundsatzentscheidung in den Organen der Hochschulen fassen zu lassen,
bedeutet, den Konflikt einfach in die Hochschulen zu verlagern. Das wäre ein Bärendienst für die
Hochschulautonomie.