Martin Habersaat: Schlingerkurs oder Strategie der CDU in der Schulpolitik?

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                                                                           Kiel, 30. November 2017
                                                     Nr. 357 /2017




Martin Habersaat:

Schlingerkurs oder Strategie der CDU in der Schulpolitik?
Zu Forderungen des Wirtschaftsrats der CDU Schleswig-Holstein, den Zugang zum Gymnasium
von Aufnahmeprüfungen abhängig zu machen, erklärt der bildungspolitische Sprecher der SPD-
Landtagsfraktion, Martin Habersaat:

Der Koalitionsvertrag der Schwarzen Ampel besteht aus Zuckerpillen und Prüfaufträgen. Da ist
viel von Kontinuität und behutsamer Weiterentwicklung die Rede, nicht von grundsätzlichen
schulstrukturellen Veränderungen.

Die neuesten Äußerungen des Wirtschaftsrats der CDU Schleswig-Holstein lassen erkennen,
dass mindestens Teile der CDU eine ganz andere Agenda haben, nämlich zurück zum
gegliederten Schulwesen. Man könnte die Forderung nach Aufnahmeprüfungen für das
Gymnasium als randständige Meinungsäußerung abtun, wäre der Vorsitzende dieser
Arbeitsgemeinschaft nicht der frühere Landesminister Christian von Boetticher, der immerhin
einmal Landesvorsitzender war und beinahe Spitzenkandidat der Schleswig-Holsteinischen CDU
geworden wäre.

Dahinter steht eine Strategie: weg vom gemeinsamen Lernen, weg von einem Drei-Säulen-
Modell zum Abitur mit Gymnasien, Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen und Beruflichen
Gymnasien. Es soll nach dieser Strategie künftig nur eine einzige Schulform für die
leistungsstärksten Schüler geben, nämlich das Gymnasium, während die Gemeinschaftsschule
sich zu dem zurückentwickeln soll, was früher die Regionalschule war, ein Verbund, der zum
ersten und zum mittleren allgemeinen Schulabschluss führt.

Der Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende Günther sollte jetzt schleunigst klarstellen,
ob Herr von Boetticher eine Forderung geäußert hat, die von der CDU geteilt wird oder ob es

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sich hier um eine Minderheitenmeinung handelt. Die Öffentlichkeit hat einen Anspruch darauf zu
erfahren, ob die CDU Schleswig-Holstein zurück zur Schulpolitik der 80er Jahre will.