Kathrin Wagner Bockey zu TOP 29: Holstein Kiel hat sich in unser aller Herzen gespielt

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Es gilt das gesprochene Wort!



Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden:
http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html




                                                     Kiel, 13. Juni 2018



TOP 29: Das Holstein-Stadion bundestauglich machen und die Kommunen bei der Sanierung von
Sportstätten verstärkt unterstützen (Drs-Nr.: 19/759, 19/789)




Kathrin Wagner Bockey

Holstein Kiel hat sich in unser aller Herzen gespielt


Jeder echte Fußballfan kennt sie, die Momente, die in einem Fanleben für die Ewigkeit gemacht
sind. Niemals vergessen werde ich, als St. Pauli 2001 in Nürnberg in die erste Liga aufstieg und
ich live dabei war. Holstein Kiel hat sich in unser aller Herzen gespielt und auch wenn der
Aufstieg dieses Jahr nicht geklappt hat, hat der Verein mit seinem Durchmarsch auf Rang drei
der zweiten Bundesliga einen super Erfolg erzielt. Solche sportlichen Erfolge sind euphorische,
glückliche Momente und ich glaube, weder die Spieler, noch die Betreuer oder gar das Publikum
denken in solchen Momenten an das Geld, das dahinter steht ­ oder eben auch nicht.

Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass ein Spielbetrieb in der Fußballbundesliga nur von gut
sortierten Wirtschaftsunternehmen erfolgreich gemeistert werden kann. Hier ist dem Verein
Holstein Kiel ein glückliches Händchen zu wünschen, denn viel Zeit zur Orientierung und zum
,,geordneten" Wachstum war bisher nicht. Umso mehr gilt: Wenn das Land, die Stadt Kiel und
der Verein jetzt gemeinsam eine Chance sehen, das Holstein-Stadion bundesligatauglich
auszubauen, dann ist das richtig und auch ein wichtiger Schritt. Es muss allen klar sein, dass wir
hier erst am Anfang stehen, dass es keine fertigen Konzepte und Vorstellungen gibt. Deshalb
kommt es ganz besonders jetzt auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit von Kommune,

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Land und Verein an. Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass der Glückszustand einer
ganzen Region bei einigen Politikern spontan die Herzen und das Portemonnaie geöffnet hat.

Es war ja auch zu schön. Diese generöse Geste. Der tolle Empfang im Landeshaus für die
Holstein-Kiel-Fußballer und dann zack ­ 10 MILLIONEN für den Stadionumbau und zack ­ 10
Millionen für den Breitensport! Bei Daniel Günther kullerten die Euro nur so aus den
Hosentaschen und es konnte einem fast schwindelig werden. Es schien ein sportlich faires
Angebot zu sein, daraus einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen zu formulieren. Keine
große Sache eigentlich, eher eine Formalie. Und eigentlich war es dann ein Halbsatz, der die
ganz große Harmonie verhinderte. Wir erinnern uns: Der Landtag sollte aufgefordert werden, 10
Millionen Fördermittel für den Umbau des Stadions bereit zu stellen. Daran geknüpft werden
sollten bestimmte ERWARTUNGEN ­man könnte auch sagen: Hoffnungen! Vielfalt, Respekt,
eine offene Gesellschaft. Klingt gut. Hier kam dann unser kleiner SPD-Zusatz: die Förderung
der Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Sport. Ja, wir als SPD hätten es wissen
müssen. Das kann nur Ärger geben. Empört wurde seitens der CDU gefragt, wie das gehen
solle? ,,Was ist mit der Autonomie des Sports? Da könne man nicht eingreifen!"

Sie erwarten den Einsatz für Vielfalt, Respekt, eine offene Gesellschaft vom Verein, - gerne mit
konkreten Projekten! Wenn das kein Eingriff in die Sportautonomie ist, dann ist es eine
Wertevorstellung, die wir Parlamentarier mit dieser Förderung verknüpft sehen wollen. Ich
erinnere in diesem Zusammenhang dann doch noch mal an die Worte von Frau Ostmeier, als
Holstein Kiel zugunsten des Männererfolgs seine Frauenabteilung ausgliedern wollte: ,,Das habe
sie etwas schockiert!" Aminata Touré von Bündnis 90 ging noch weiter: ,,Das ganze Vorgehen ist
ein Armutszeugnis für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Fußball, man müsse die
Förderzusage neu bewerten." Ups. Und dann kommt die freche SPD und baut die
Erwartungshaltung der Gleichstellung mit in den Antrag ein? Geht ja gar nicht! Natürlich werben
wir dafür, dass unser Ergänzungsantrag bei Ihnen allen, die Sie hier sitzen, doch noch
Zustimmung findet. Wenn man einen positiven Wertekatalog formuliert, dann liegen Vielfalt,
Respekt, die Gleichstellung von Männern und Frauen und eine offene Gesellschaft doch wohl
auf einer Wellenlänge! In jedem Fall werden wir auch Ihrem Antrag zustimmen. Aus einem ganz
einfachen Grund. Dieses Projekt sollte uns vereinen und nicht spalten.

Ein kurzes Wort zum Schluss: 10 Millionen für den Breitensport hören sich gut an! Ich warne
allerdings davor, sie wie in der letzten Förderrichtlinie bereits verteilt zu haben, bevor sie
überhaupt veröffentlicht wurde. Das Land Schleswig-Holstein reicht nicht nur von Flensburg bis
Kiel, sondern viele Kommunen im Rest des Landes warten ebenso dringend auf die Möglichkeit,
etwas für ihre Sportstätten zu tun.